Oh Sees, Thee Oh Sees, OCS, Orange County Sound. Viele Namen, mehr Alben. Kein Wunder, dass da eines auch mal nicht heraussticht. Smote Reverse zum Beispiel.

Graf Zahl wäre entweder begeistert oder überfordert, läge ihm jemand die Diskographie der Oh Sees vor. „Ein exzellentes Rockalbum, zwei exzellente Rockalben, drei exzellente Rockalben! Hahahaha!“ Dann würde es donnern und blitzen, der Graf würde weiterzählen und irgendwann beim aktuellen Album der US-Amerikaner ankommen. Smote Reverser heißt es, und wer glaubt, die Gruppe würde nur wegen der Summe an Veröffentlichungen den Vergleich mit der düstersten Figur der Sesamststraße bestehen, hat sich geirrt. Smote Reverser versucht auch sonst, den mitterlalterlichen Bombast, die klerikale Dämonendämmerung und die Garage unter einen Hut zu bekommen – wird eng.

Wie ein Reisender, der eigentlich lieber zu Hause bleiben würde

Wird eng, obwohl ein herrschaftliches Anwesen, bedroht von einem gehörnten Ungetüm, das Cover des Albums ziert – oder eben gerade deswegen. Im Versuch, fundamentale Bedrohung und wütende Feuersbrunst zu vertonen, wirken Ausreißer noch deplatzierter, reduziert proggiges Geschrammel wie in „Anthemic Aggressor” fehl am Platz. Was hätten wir dafür gegeben, wenn sich hinter dem Titel des Tracks tatsächlich das gehörnte Monster des Covers versteckt hätte, und nicht ein siebenminütiger Goblin mit Orirentierungsproblemen.

Oh Sees sind mit der timeline ihres eigenen Albums durcheinander gekommen. „Overthrown“ ist die Vertonung apokalyptischen Höllenfeuers, „Last Peace“ die etwas zu optimistisch geratene postapokalyptische Szenerie. Die Band, die auf früheren Alben regelmäßig mit anderen Sounds und neuen Ideen aufwartete, wirkt unerwartet konzeptlos und hält sich, unüberzeugt von sich selbst und der Sache, überall nur sehr kurz auf.

Wie ein Reisender, der eigentlich lieber zu Hause bleiben würde – und zu allem Überfluss einen Flug von London nach Berlin über Novosibirsk bucht. Nicht weil er will, sondern weil er beim Eingeben der Flugdaten ganz kurz vergessen hatte, dass das eine ziemlich beschissene Idee ist. Fazit: Wer Platten sammelt, kann sich’s trotzdem beschaffen. Das Cover ist nämlich, im Gegensatz zur Musik, gewohnt gelungen.