Oh No Dr. No´s Oxperiment

Während Madlib sich zur Zeit hauptsächlich einen Spaß mit der Ära des  Astral Travelling Jazz macht und gleich eine ganze Compilation namens »Yesterdays Universe« herausbringt, auf der sich hinter Namen wie Ahmad Miller, The Jazzistics, The Last Electro-Acoustic Space Jazz Ensemble und natürlich den bereits bekannten Yesterdays New Quintet immer wieder ein Typ, nämlich Madlib selbst verbirgt, lebt sein kleiner Bruder Oh No weiterhin ausschließlich im Reich des Hiphop. Doch was hat er diesmal für ein Teil hingekriegt. »Dr. No´s Experiment« sendet Op Art zum Hören um den Globus. Da die Erd-Atmosphäre bekanntlich ein Leck hat, strömt der Klang weiter und weiter und hinaus ins Universum… Der Sound der Liebe ist eben, er kennt keine Epochen, und so wirken der seelenreisende Jazz des Madlib und die wirbelnden, zwirbelnden Beats von Oh No letztlich geschwisterlich und gleich.

    Noch 2004 war auf Oh Nos Debüt »The Disrupt« eine Handschrift nur in kleinen Dosen zu erkennen. Im vergangenen Jahr aber verschaffte er sich bereits Respekt, denn der Doppelbegabte aus Oxnard, Kalifornien hatte sich auf »Exodus Into Unheard Rhythms« für das Produzieren entschieden, und ließ zu den ausschließlich auf Galt MacDermot-Samples (Komponist von u.a. »Hair«) basierenden Beats die Anderen, die echt Guten rappen: Dudley Perkins, Wildchild, Posdnuos von De La Soul, Georgia Anne Muldrow. »Dr. No´s Oxperiment« nun bildet schon wieder den bisherigen Höhepunkt im Mitte-Zwanzig-jährigen Leben des Oh No, und in den vergangenen Monaten hat mich keine Hiphop-Platte so mitgenommen auf die Reise. Dieses Mal hat sich Mike Jackson besonders der Pop- und Folklore-Musik aus Italien, Griechenland, dem Libanon und der Türkei angenommen. Das jedoch hört nur, wer weiß. Denn bei Oh No verwischen sich die Spuren in einem Rausch, ja, ich möchte es wirklich nicht bloß Flow nennen, des Sich-in-den-Beat-Werfens. Es ist ein Fest. Die Zahl: 28 Instrumentals, eigentlich bloße Skizzen, eigentlich immer eine Idee pro Track. Aber wie sie keine Epoche haben, so dehnen sie sich aus, als wüßten sie generell nichts von »Zeit«. Keines fällt ab.

LABEL: Stones Throw / PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 27.07.2007

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