Ogoya Nengo And The Dodo Women’s Group »On Mande« / Vorabstream & Review

Ogoya Nengos erstes properes Album beginnt und endet mit nacktem Gesang – dazwischen entfaltet sich erstaunliche Komplexität.

In der Fremde suchen die meisten doch nur das Vertraute. Die Sammlerpreise für afrikanische Platten mit (oft wackeligen) Adaptionen westlicher Musikstile, etwa mit nigerianischem Boogie oder sambischem Rock, sind jedenfalls in den vergangenen Jahren komplett durch die Decke gegangen. Für Platten mit folkloristischen Aufnahmen, ob nun ethnologisch (für ein westliches Publikum) oder als native recordings (von westlichen Plattenfirmen für ein lokales Publikum), die ja meist viel origineller sind, interessiert sich dagegen keine Sau. Sven Kacirek und Stefan Schneider sind anders, sie haben sich in der Fremde kenianischer Dörfer ganz auf die lokalen Folk-Musiken eingelassen. Die beiden bei Honest Jon’s erschienenen Doppel-10-Inches Mukunguni (2013) mit unbearbeiteten Feldaufnahmen und Rang’Ala (2014) mit dem Gesang von Ogoya Nengo dokumentierten jedenfalls ziemlich unverwestlichte Musikpraktiken. Allerdings zeigten sich Schneider und Kacirek dabei auch offensichtlich verliebt in den Sound des afrikanischen Landlebens und die Magie der Nächte vor Ort. Beides ließ sich nur bedingt auf den Hörer übertragen.

Das Fremde behutsam zum Vertrauten machen.

Ganz anders nun Ogoya Nengos erstes properes Album On Mande, das auf Schneiders neuem Label erscheint. Es beginnt und endet wieder nackt mit Dodo-Gesang, einer Praktik allein für Frauen, die damit das Leben zwischen Lokalpolitik und Hochzeitsfeiern besingen. Doch dazwischen entfaltet sich On Mande in 13 Stücken als komplexes Album. Da wird Ogoya Nengos feierlicher Gesang durch Akustikgitarren oder die Laute Nyatiti aufgeschlüsselt, auch Männer kommen zu Wort, dazwischen Instrumentals aus Drums und der flirrenden Blockflöte Asili oder auch wieder unbearbeitete Akustik-Polaroids. So entsteht ein narrativer Spannungsbogen, den man zunächst als Konzession an hiesige Popverständnisse verstehen könnte. Vermutlich resultiert er aber vor allem aus Schneiders und Kacireks zunehmender Sicherheit vor Ort: Sie machen sich das Fremde behutsam zum Vertrauten.

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