NXWorries „Yes Lawd!“ / Review

Die Post-Soul-Duellanten Anderson Paak und Knxwledge kombinieren fragmentierte Loops, die sich romantisiertem Songschreibertum versagen, und gesangliche Zurückhaltung. Dieses Album fordert Zeit und Feingefühl.

Wer dem Sakrileg namens Yes Lawd! auf den Grund gehen will, fängt an bei der musikalischen Sozialisation der beiden Post-Soul-Duellanten Anderson Paak und Knxwledge. Die strotzt nur so vor geistlicher Pädagogik: Produzent Knxwledge klimperte schon als kleiner Steppke auf dem Kircheninstrumentarium seiner Familie herum, seine ersten Beattapes entstanden auf einem Rekorder, der zuvor die Sonntagspredigt festhielt.

Circa 60 Bandcamp-Releases später landete er schließlich mit einer essenziellen Produktion auf Kendrick Lamars To Pimp A Butterfly, nun sündigt wiederum Anderson Paak auf Knxwledges Beats. Und der finanzierte seinen ersten Sampler als Messe-Drummer, bevor er sich mit seinem kleinen Soul-Opus Malibu als gesangliche Universalleuchte bewies, den Höhepunkt auf Dr. Dres Comeback-Album Compton croonte und damit zur Refrain-Wunderwaffe im US-Rap avancierte.

Auf Yes Lawd! singt Paak nun vor allem über das, was ihm in seinen musikalischen Kirchentagen wohl abging: Erotik.

Auf Yes Lawd! singt Paak nun vor allem über das, was ihm in seinen musikalischen Kirchentagen wohl abging: Erotik. Zugegeben, Paak ist nicht der einfühlsame Typ, wenn es um andersgeschlechtliche Liebschaften geht. Doch konträr zu seinen unvermittelt expliziten Anekdoten, findet er auf Yes Lawd! gerade in der gesanglichen Zurückhaltung seine Stärke. Knxwledges Beats hingegen sind Soundschnipselcollagen – fragmentierte Loops, die sich romantisiertem Songschreibertum versagen und bis dato als lose Aneinanderreihung auf Tapes gut aufgehoben waren. Und wie kein Knxwledge-Kollaborateur vor ihm versteht es Paak, sich dem Format mit seiner Performance unterzuordnen.

Ob Stop-and-go-Soul in „What More Can I Say“, leiernder Blues in „Jodi“, Achtziger-Synth-Flitter in „Scared Money“ oder Zeitlupen-Funk in „Suede“: Stets platziert Paak seine Stimme so nonchalant auf Knxwledges Gewusel, dass Vocals, Samples und Sprachfetzen zu einem undurchsichtigen Soulgemisch emulgieren. Es braucht Feingefühl und Zeit, um aus diesem Gemenge die vielen Kleinode herauszuhören. Denn über 50 Minuten Spielzeit versagen sich NxWorries mit stoischer Konsequenz den im Soul sakral gepflegten Songstrukturen. Ihren Funk säkularisieren die beiden mit Yes Lawd! ganz unfreiwillig. Dafür braucht es nur einen Sampler und ein Mic.

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