Nü Sensae

Nü Sensae – Daniel Pitou, Andrea Lukic und Brody McKnight (v.l.)   FOTO: Lindsey Best
Daniel Pitou, Andrea Lukic und Brody McKnight (v.l.)   FOTO: Lindsey Best

Ende der 80er-Jahre entstand im Nordosten der USA eine lässig unangepasste Musik, die sich zunächst als Seattle-Sound und später dann als Grunge in die Genrebücher des Rock einschrieb. Diese Grunge-Attitüde haben die Vollzeitslacker von Nü Sensae, die sich nur einige Meilen weiter nördlich im kanadischen Vancouver zusammengefunden haben, sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Sieht und hört man etwas genauer hin, erkennt man in ihnen ein Best-Of amerikanischer Gegenkultur. Denn Nü Sensae synästhetisieren sich zu gleichen Teilen aus Noise, Punk, Hardcore, No Wave und Riot Grrrl.
   Die Songs sind dementsprechend vielschichtig und durchaus komplex, behalten trotzdem eine rawness, die sich, wie Schlagzeuger Daniel Pitout verrät, aber eher aus »einer intuitiven Punkenergie« speist, als aus der Intellektualität des No Wave. Pitout und die Sängerin und Bassistin Andrea Lukic haben sich im letzten Jahr dazu entschieden, mit Brody McKnight einen in Szenekreisen bekannten Noise-Gitarristen einzubinden. Mit positivem Effekt: Die Songs ihres aktuellen Albums Sundowning gewinnen dadurch an Dynamik. Auf laute Parts, in denen geschrien wird und die Emotionen ausbrechen dürfen, folgt meist eine kühle Strophe (auf wütend folgt also wasted, wie bei einer guten Punkparty), in der sich Lukics Gesang so weit runterschraubt, dass er bisweilen an Kim Gordon erinnert.
   Apropos: Gordon wird innerhalb der Band kontrovers diskutiert. Die Furcht davor, in eine Kiste gesteckt zu werden, aus der man nicht mehr herauskommt, ist recht groß. Nichtsdestoweniger ist die Band hervorragend vernetzt. Pitout organisierte im vergangenen Jahr das Aids Day Music Project, dessen Line-Up unter anderem Mac DeMarco, Ron Reyes (Black Flag) und Grimes beinhaltete: alles Freunde der Band. Die letztgenannte, Grimes, ebenfalls Kanadierin, spricht gerne von einem kultähnlichen Status der Noise-Bewegung in Montreal und erzählt von mehrstündigen Konzert-Happenings. »In Vancouver gibt es so etwas eher nicht.« So kommen Nü Sensae erst gar nicht in Verlegenheit, eventuell Teil einer Szene zu werden. Und eine Stelle auf vermeintlich einsamem Posten kann ja auch durchaus erfüllend sein.

Nü Sensae live
18.04. Hamburg – Hafenklang
20.04. Berlin – Westgermany

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