Review: Now It's Overhead

Dieses Album ist ursprünglich bereits vor zwei Jahren erschienen, was nicht zuletzt ein weiterer Beleg dafür ist, dass man, vergiss die Globalisierung, hierzulande ohne US-Mailorder-Betriebe und rege Internetnutzung ziemlich hinterm Mond lebt. Und es ist schon auch ein komisches Gefühl, hier jetzt etwas zu bescheiben, was längst Teil des eigenen Lebens (mehr noch als Teil der Plattensammlung) geworden ist.Now It's Overhead ist, auch wenn Orenda und Maria von Azure Ray als feste Mitglieder zählen, vor allem die Idee von Andy Lemaster, der in Athens/Georgia ein Studio betreibt und dazu wohl bei mehr Bright Eyes-Shows Teil der Band war als (außer Conor Oberst) sonst jemand. Mit der musikalischen Aufarbeitung des archaischen Amerika, wie sie bei Bright Eyes gerne betrieben wird, hat dieses Album jedoch nichts zu tun. Eher werden über Radio-Pop, der heiß geschleudert, auf links gedreht und dann noch angenagt wurde, die Geschichten erzählt, die das Erwachsenwerden zu einem Alptraum machen können. Dabei hört man die große Freude, mit der daran gearbeitet wurde, allerlei Klänge so zu bearbeiten, dass ihre Schönheit lange darüber hinwegtäuscht, wie wunderlich sie sind. Auch der Gesang nutzt die tief in harmonieverliebte Melodieseligkeit getunkte Freundlichkeit, um von allerlei Leid und Elend zu erzählen.Es gelingt diesem Album jedoch nicht ganz, diese widerstrebenden Teile so einzusetzen, dass das Ergebnis so spannend wäre, wie es sein könnte. Die Musik klingt zugleich ganz vollendet schön und ganz schön unvollendet ? als wäre sie sich ihres Zieles noch nicht ganz sicher. Aber es ist fast gemein, diese Art von Kritik zu üben. Zum einen, weil sie zwei Jahre Zeit hatte, um sich zu entwickeln. Zum anderen, weil sie völlig unbegründet wäre, wenn diese Musik eben nicht schon so gut wäre. Letztlich also ein Grund mehr, sich auf nächstes Frühjahr zu freuen: Dann kommt das neue Album. Und mehr als bloß die Wartezeit bis dahin verkürzen, kann dieses Debüt allemal.

LABEL: Saddle-Creek Records

VERTRIEB: EFA

VÖ: 21.10.2001

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