Nova Heart »Nova Heart« / Review

Nova Heart scheinen alles auf Tarantino’eske Art anzuschubsen, anzuzitieren, um dann doch ihren eigenen Sound und Song daraus abzuleiten.

Der Song »Shanzhai« auf Fatima Al Qadiris Album Asiatisch wurde von Helen Feng gesungen, der Titel bedeutet: Fälschung, Kopie – ein seltsames geisterhaftes Ding. Ein Stück von Prince, weltbekannt gemacht durch Sinead O’Connor, von Al Qadiri angereichert mit merkwürdigen digitalen Klängen, so dass »Nothing Compares 2 U« letztlich nicht als Gerippe, als Zentrum, sondern gewissermaßen anti-skelettiert, als Rahmung und Peripherie übrigblieb und fundamental ausgefüllt wurde von etwas Anderem.

Helen Feng, deswegen dieser einleitende Exkurs, arbeitet multiperspektivisch. Sie hat 2011 in Peking die Band Nova Heart gegründet, war Moderatorin bei MTV China und scheint stark von europäischer Popmusik beeinflusst zu sein. Aufgenommen wurde das unbetitelte Nova-Heart-Debütalbum in Berlin, in der hübsch gestalteten Edelauflage werden einem zu jedem Song röntgenbildartige Folien präsentiert. Der auf der Verpackung abgedruckte Name der Rechteinhaber, »FakeMusicMedia«, verunsichert ein wenig. Wie dem auch sei, hier wird zitiert und sich angelehnt: Nova Hearts »Queen Is Dead« ist zwar kein Song der Smiths, »Dancing Barefoot« hingegen sehr wohl eine Version der Hippiehymne von Patti Smith. Eingekleidet in ein düsteres Elektrogewand, entkleidet um das Rockige, aktualisiert Feng den Popklassiker.

Nova Heart spielen mit leicht geisterhaften Ansätzen. Referenzen auf coolen, dunklen Synthie- und New-Wave-Pop der Achtziger sind zu hören, denen aber nicht puristisch nachgespürt wird. Fast scheint die Band alles auf Tarantino’eske Art anzuschubsen, anzuzitieren, um dann doch ihren eigenen Sound und Song daraus abzuleiten. Daraus entwickelt sich langsam ein faszinierender Sog, den man beim ersten schnellen Reinhören nicht unbedingt bemerkt (»Lackluster No.« ist dafür ein gutes Beispiel). Das ist alles absolut eingängig, gleichzeitig keinesfalls so glatt, wie es bei oberflächlicher Rezeption den Anschein hat. Merkwürdige Dinge passieren. Eine Kollegin mailt den Link zu Dolly Partons Version von »Stairway To Heaven«, ich schicke ihr den zu Partons »Jolene« in der Version der frühen Sisters Of Mercy zurück. Und irgendwo dazwischen erklingen Nova Heart.

Nova Heart live
11.10. Köln – Art Theater
13.10. Berlin – Lido

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