Nocturnal Sunshine Nocturnal Sunshine

Maya Jane Coles folgt als Nocturnal Sunshine den dunklen Stimmen: Aus der bassigen, träge schillernden Dunkelheit schält sich hier ein elastischer, trippiger Beat, dort eine elektrisierende UK-House-Anmutung.

Elektromenschen stehen auf Pseudonyme. Gabor Schablitzki ist unter anderem als Robag Wruhme, Themroc und Die Dub Rolle unterwegs, Mark Pritchard wahlweise als Harmonic 313, Troubleman, Link oder N.Y. Connection – und das sind nur die Namen der jeweiligen Soloprojekte. Kollaborieren die Genannten mit anderen, vermehren sich die Aliasse exponentiell. Im Vergleich dazu ist die britisch-japanische Produzentin und DJ Maya Jane Coles richtig bescheiden: Zusammen mit Lena Cullen bildet sie das Remix-Duo She Is Danger, allein tritt sie schlicht unter ihrem bürgerlichen Namen auf oder als Nocturnal Sunshine.

Comfort, ihr letztes Album als Maya Jane Coles, versammelte illustre Gesangsgäste von Tricky über Karin Park bis zu Kim Ann Foxman und Nadine Shah, auf Nocturnal Sunshine singen nun neben Coles selbst nur die zwei bisher kaum bekannten Stimmen von Chelou und Catnapp. Das Projekt ist weniger für den Dancefloor gedacht. Was auch bei Coles’ poppigeren Clubtracks immer wieder durchscheint, nämlich ihre Liebe zu bassbetontem Dub, zelebriert sie mit Nocturnal Sunshine genüsslich: Hypnotisch und ein bisschen unheimlich wummert es aus den Lautsprechermembranen, viel Hall auf den verfremdeten Stimmen unterstreicht den unwirklichen Effekt.

Es fühlt sich an, als fände man sich nach einer langen Nacht mit unbekannten Substanzen im Kreislauf in einer unbekannten Gegend wieder, nach Anhaltspunkten suchend, wo es nach Hause gehen könnte. Finster ist es natürlich auch, aber der Nocturnal Sunshine wirkt grundsätzlich freundlich: Aus der bassigen, träge schillernden Dunkelheit schält sich hier ein elastischer, trippiger Beat, dort eine elektrisierende UK-House-Anmutung, die an selige Frühneunzigerzeiten erinnert. Und plötzlich ergeben auch die irrlichternden Vocals Sinn: »Patience ain’t no virtue of mine / Why must I always be the last to arrive«, raunt Chelou in »Believe«. Hier geht es nicht ums Irgendwo-Ankommen, um keinen Höhe- oder Schlusspunkt. Es geht darum, den dunklen Stimmen einfach zu folgen. »It’s alright«, singt Maya Jane Coles selbst an anderer Stelle. Nocturnal Sunshine – selten war ein Pseudonym besser gewählt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.