NLF 3

Ein totes Genre: Post Rock. Reden wir also nicht davon und behandeln diese 50 Minuten Musik in einem anderen Kontext. Bei »Music For Que Viva Mexico« handelt es sich um reine Instrumentalmusik. Um Musik zu einem Film, Musik für Sergej Eisensteins »Que Viva Mexico« von 1931. Einem Stummfilm also. Anders als die Pet Shop Boys, die den berühmten »Panzerkreuzer Potemkin« neu bespielt haben, versucht dieses hierzulande noch unbekannte Trio aus Paris auf herkömmliche, sehr vorsichtige Weise, sich dem klassischen Film zu nähern: Es ist fast, als ob Eisenstein in den fünfziger oder den frühen sechziger Jahren gedreht hätte, nur dass die Tonspur verloren gegangen wäre. Und eigentlich hätte Henry Mancini oder Antonio Carlos Jobim den Auftrag gehabt. Mit anderen Worten, NLF 3 schöpfen aus dem Fundus des feinen, geschmackssicheren Easy Listenings, und gehen von da aus modern. Tropische Rhythmen (passt auch zu Mexiko), exotische Instrumente (für Fetischisten: Fender Rhodes, Ukulele, Theremin u.v.a.), sanfte Stimmungen. Eine Filmbegleitungsmusik, die sich nicht aufdrängen möchte.

    Manches könnte aber auch reiner Post Rock sein, »Las Campanas« und »La Fiesta Terrible« klingen zum Beispiel wie Stereolab oder Tortoise. Insgesamt wirkt alles sehr geschlossen, nicht so fragmentarisch wie Eisensteins Film selbst. Der wurde nämlich »wegen Differenzen mit den US-Produzenten« nie fertig gestellt und erst 1979 von seinem Assistenten Grigori Alexandrov rekonstruiert. Ob es nun zu einer Aufführung in deutschen Lichtspieltheatern mitsamt dieser netten Begleitmusik kommt, bleibt zu hoffen.

    Die Musik jedenfalls hat einige Zeit gebraucht, um hier (auf kleinem Label) zu erscheinen. Den Auftrag erhielten Jean Michel Pires, Nicolas und Fabrice Laureau schon 2004, eingespielt wurde »Music For Que Viva Mexico« im September 2005. Aber Klassiker kennen ja keine Zeit.

LABEL: Prohibited Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 14.09.2007

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