NLF 3 Ride on a Brand New Time

An der Überwindung von Rockstrukturen durch ein konventionelles Rockinstrumentarium haben sich schon viele Bands versucht – wenige betraten damit Neuland, die meisten sind daran gescheitert. All diese Versuche firmieren bis heute in Ermangelung einer treffenderen Bezeichnung unter dem Begriff Postrock – was seit jeher Quatsch ist, da dieser Begriff ursprünglich kein spezifisches Musikgenre, sondern eine spezifische Geisteshaltung und grundsätzliche Herangehensweise beschreiben wollte. Bettina Richards, die Chefin von Thrill Jockey, dem Chicagoer Vorzeige-Label in Sachen »Postrock«, wird nicht müde diesen Unterschied in ihren Interviews zu betonen.

    NLF 3, ein französiches Trio, dessen Protagonisten sich F.lor, Don Nino und Mitch Pires nennen, agiert jedenfalls auch auf dem weiten Feld des, nennen wir es zur Abwechslung: Metarock. Auf »Ride on a Brand New Time«, ihrer inzwischen dritten Album-Veröffentlichung, verweben sie Loops, schemenhafte Gitarrentexturen, minimalistische Bleeps und gefundene Noises zu einem repetitiven Instrumental-Rock, der oft so klingt, als sei er für einen experimentellen Film komponiert worden. Das kommt nicht von ungefähr: Ihr vorangegangenes Werk »Music For Que Viva Mexico!« war als alternativer Soundtrack zu Sergei M. Eisensteins Film-Epos »¡Qué Viva México!« konzipiert. Und wenngleich die aktuelle Platte keine derart bildgewaltige Vorlage hat, arbeiten NLF 3 auch hier mit jeder Note an einem abstrakten Gemälde aus Klang und Vibrationen.

    Sie türmen hektische Rhythmen auf dicke Ambient-Matten, dekonstruieren Grooves und Melodien noch bevor diese richtig entstehen können und lasern ihre mühsam errichteten Soundmauern nicht selten mit einer einzigen mächtigen Synthielinie nieder. Manchmal schrammt das Ganze nur knapp an der totalen Kakophonie vorbei, oft funktioniert es aber auch ziemlich gut, etwa wenn NLF 3 in Stücken wie »Shaadonga Falls«, »Oxala Mon Amour« oder »Hurricane« neben tribalistischem Stammestanz und fiepsenden Theremin-Studien auch die konventionslose Jam-Ästhetik des Krautrock eingemeinden. Unterm Strich gibt es auf »Ride on a Brand New Time« trotzdem nicht besonders viel, was man beispielsweise von Tortoise nicht schon früher und besser hören konnte.

LABEL: Prohibited Records

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 27.02.2009

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