Bewältigung & Wiedergeburt

kotoko
Still — Kotoko, Regie: Shinya Tsukamoto, Japan, 2011.

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Freunde des ostasiatischen Kinos dürften dieser Tage auf ihre Kosten kommen, gleich zwei Festivals widmen sich aktuell der Filmkunst in Japan bzw. Korea. Den Anfang macht heute die Nippon Connection, das 12. Japanische Filmfestival, in Frankfurt am Main. Bei den insgesamt 142 Filmen und zahlreichen kulturellen Rahmenveranstaltungen (etwa eine Ausstellung über die Shodo-Kalligraphie oder die Festivalparty) liegt einer der Schwerpunkte auf dem großen Erdbeben und Tsunami im März des vergangenen Jahres sowie der damit verbundenen Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima.

   Ein Stimmungsumschwang fand statt, die Kinos blieben so leer wie manche vor dem Unglück gedrehte Filme plötzlich wirkten. Für viele freie Produktionen wurden durch die Zäsur allerdings neue kreative Kräfte freigesetzt, wie man nun in den Wettbewerbsbeiträgen des Nippon Visions Awards erfahren kann. Im Livehörspiel Die Bestie von Fukushima untersucht dann Jörg Buttgereit die Vorwegnahme der Ereignisse und Prägung der Bevölkerung im bzw. durch das japanische Kino und darin auftauchenden Figuren wie Godzilla. 

    Im Filmprogramm sind zudem große Namen vertreten. Shinya Tsukamoto stellt Kotoko, ein fiktives Portrait einer von der Großstadt in die Paranoia getriebenen jungen Mutter, bei dessen Deutschlandpremiere persönlich vor. Räumlich noch weiter hinaus wagt Toshiaki Toyoda, dessen an Ted Kaczynski angelegte Hauptfigur in Monsters Club sich als erimitischer Briefbombenterrorist in die Wildnis zurückzieht. Von Altmeister Kaneto Shindo stammt das eindringliche Historiendrama Postcard, dass die Nachwirkungen des zweiten Weltkriegs auf die Gesellschaft thematisiert. Mit dem ebenfalls historischen Programmschwerpunkt Nippon Retro versucht dann das Festival wiederum, Linien zwischen der japanischen Protestbewegung der 1960er und den heutigen Post-Fukushima-Mobilisierungen aufzuzeigen. Alle Spielorte und das Programm finden sich hier.

   Morgen, am 3. Mai, beginnt dann im HKW in Berlin die Reihe Korean Cinema Today. Partner ist hier das Busan International Film Festival (diesmal vom 4. bis 13. Oktober), aus dessen Programm der letzten beiden Jahre nun insgesamt elf, vor allem stille und intime Filme bis zum 13. Mai zu sehen sind. Die in Cannes ausgezeichneten Poetry und Hahaha treffen dabei auf Filme wie The Journals of Musan und Dance Town, die das schwierige Einfinden nordkoreanischer Flüchtlinge in der wettbewerbsorienierten südkoreanischen Gesellschaft dokumentieren.

   Mit Miracle of Jongo Street, einem Portrait des Seouler Eden Viertels, ist zudem die erste bekannte Dokumentation über die schwule Community Südkoreas im Programm – für Regisseur Lee Hyuksang war er das öffentliche Coming out. Neben Lee, drei weiteren Regisseuren und Ko-Kuratorin Hong Hyosook wird auch Lee Yongkwan vor Ort sein. Der Gründer des BIFF referiert am 5. Mai anhand des Kim Kiyoung-Klassikers The Housemaid von 1960 und seinem 2010er Remake über die Entwicklung des südkoreanischen Kinos und seine aktuelle Hochphase der Wiedergeburt. Beide Filme werden auch im Programm gezeigt, dass sich mit allen Terminen hier findet.

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