Nine Inch Nails – Ohne Label, mit Plan

nin_logoAlle Zeichen stehen auf Veränderung. Immer mehr Künstler nutzen neue Möglichkeiten von labelunabhängiger Musikdistribution als attraktives Geschäftsmodell. Die Einstürzenden Neubauten sind mit ihrem Supporter Projekt längst nicht mehr alleine. Ob als Gratisbeilage zur Sonntagszeitung (Prince), als von der Band selbst initierter Leak (Radiohead) oder durch den Exklusiv-Deal mit einem Radiosender (The Charlatans) – Künstler finden immer mehr Gründe und Wege ihre Musik ohne den Rechtsschutz eines Labels zu veröffentlichen.

Kein Wunder, denn das Serviceplus, das Künstler von Plattenfirmen erwarten können, schrumpft stetig. Veröffentlichungen wandern ausnahmslos – mitunter lange vor Releasetermin – illegal ins Internet, daran haben watermarked Promo-CDs und DRM-geschützte Downloads so wenig geändert wie umständliche Release- und Promotionpläne. Zudem scheint die Regel zu gelten: Je ausgetüftelter die Marketing-Kampagne, je nachdrücklicher ein Label Spannung auf eine Veröffentlichung erzeugen will, desto schneller wandert die Musik durch die allzeit wachen Blogs und landet damit quasi in Echtzeit beim Hörer. Die Möglichkeit, Musikinteressierte durch niedrigere CD-Preise zum Kauf zu bewegen, ignoriert die Branche seit jeher mit stoischer Konsequenz – trotz ihrer exponentiell anwachsenden Angebotsvielfalt.
Der nächste Pitch kommt jetzt von Nine Inch Nails-Frontmann Trent Reznor. Als NIN im September ein Konzert in Sydney gaben, hetzte Reznor gegen die Preispolitik der Musikbranche, indem er die Besucher zum gewissenlosen Diebstahl anstiftete: »Steal it. Steal away. Give it to your friends«, sprach Reznor seinen Fans aus der Seele. Folgerichtig gab er gestern auf der NIN-Webseite bekannt, nun von allen Vertägen mit seinem Label Interscope entbunden zu sein und ab sofort in direktem Kontakt zu seinem Publikum zu stehen:

»Hello everyone. I’ve waited a LONG time to be able to make the following announcement: as of right now Nine Inch Nails is a totally free agent, free of any recording contract with any label. I have been under recording contracts for 18 years and have watched the business radically mutate from one thing to something inherently very different and it gives me great pleasure to be able to finally have a direct relationship with the audience as I see fit and appropriate. Look for some announcements in the near future regarding 2008. Exciting times, indeed.«

Ob Trent Reznor nun hehre Genügsamkeit lebt oder ob es sich um die Fassade eines ganz anderen Kalküls handelt – sicher ist, dass bei unbegrenztem Zugang zu NIN-Platten zwangsläufig mehr Fans ihr gespartes Geld in das Live-Erlebnnis investieren werden. So können eventuell die Einbußen in den – ohnehin rückläufigen – Plattenverkäufen Reznors durch noch größere, noch vollere Konzert-Venues ausgeglichen werden.

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