Nils Koppruch (1965 – 2012)

GHVC / Andreas Hornoff — Nils Koppruch
Foto — GHVC / Andreas Hornoff — Nils Koppruch

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Als Nils Koppruch vor einigen Wochen über einem guten Essen im Hinterzimmer des Berliner Mini-Ladens Aufsturz saß, wirkte er gelöst. Mit der Welt und den Dingen im Reinen. Nun mag man einwenden, das sei doch nichts besonderes gewesen für diesen Mann, der ja sowieso einer der nettesten und höflichsten des deutschen Pop-Betriebs war. Aber an jenem Berliner Freitag kam noch etwas anderes zur gewohnten Koppruch'schen Freundlichkeit hinzu: Zwei Wochen zuvor war I (röm. eins) von Kid Kopphausen erschienen, das Debüt-Album der gemeinsamen Band des Songschreibers mit Gisbert zu Knyphausen. Und nun hatten Koppruch und Knyphausen im Aufsturz eines der ersten Konzerte gespielt. Es war ein verdammt guter Abend gewesen und was auf der Platte nicht immer klappte, funktionierte auf der Bühne perfekt: Die beiden Musiker ergänzten einander kongenial. 

   Mit Fink hatte Nils Koppruch zehn Jahre lang das Husarenstück vollbracht, amerikanische Folk-Traditionen ohne einen Hauch von Peinlichkeit ins Deutsche zu übertragen, danach folgten zwei Soloalben, parallel reüssierte er unter dem Moniker SAM als Maler. Und nun schlug er mit Kid Kopphausen ein weiteres Kapitel auf, weder er noch zu Knyphausen betrachteten die Zusammenarbeit als Interimsprojekt. Doch egal, welchen Stils sich Koppruch gerade bediente, stets dichtete er mir einem hohen Maß an Lebensklugheit, Feinsinnigkeit und Dichte. 

   Wir schreiben diese Dinge in der Vergangenheitsform, weil Nils Koppruch seine Arbeit nicht wird fortsetzen können. Weil er völlig unerwartet und überraschend mit nur 46 Jahren aus der Mitte des Lebens gerissen wurde. Uns ist klar, dass wir nun eigentlich tun müssten, was man in Nachrufen eben so macht: Karrierestationen aufzählen. Werk und Hinterlassenschaft würdigen. Respekt bekunden. Allerdings wissen wir gerade nicht so genau wie das gehen soll, weil uns die ganze Zeit nur dieser eine Gedanke durch den Kopf geht: WARUM ZUR HÖLLE IST DAS PASSIERT?! Nils Koppruch, der so viele Jahre Trost spendete mit seinen Liedern, der kein Lautsprecher war, aber von einer besonderen Aura umgeben. Ein ruhiger, besonnener, freundlicher Mensch – und einer der besten Songschreiber, die wir hatten in diesem Land. 

   Als die ersten Nachrichten zu seinem Tod in den Netzwerken gepostet wurden, hofften wir noch kurz auf einen besonders pietätlosen Schabernack. Weil man einfach nicht fassen konnte, dass der Mann, der vor wenigen Wochen so zuversichtlich in die Zukunft geschaut hatte, der eine Familie hatte und noch ganz viele Pläne, dass dieser Mann plötzlich nicht mehr da sein soll. Nun aber ist es Gewissheit. »Und am anderen Ufer stehst du
 und ich wink dir noch ein letztes Mal zu«, hat er in »Ich wein' einen Fluß« gesungen. Jetzt weinen wir einen Fluss. Danke für die Lieder!

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