Zu Besuch bei Nils Frahm

Nils Frahm in seinem Heimstudio

Nils Frahm hat SPEX für Interview zu sich in sein Heimstudio eingeladen, bevor er Mitte Dezember gemeinsam mit Anne Müller an zwei Abenden ein Tanzstück in Berlin begleitet. Außerdem gibt es ein neues Video zu »Toilet Brushes – More«.

»Ich wollte in der Musik immer Sachen ausprobieren, die ich selbst noch nicht gehört habe.«, erzählte der Pianist und Produzent vor einigen Wochen unserem Autoren Tim Caspar Boehme, während er ihn für SPEX N°349 durch sein umfassendes Instrumentarium führte, das die Berliner Wohnung Frahms fast gänzlich okkupiert. Vorrangig handelt es sich um Modelle aus den 50ern und 60ern, denn: »Qualität ist das einzige, was für mich als Komponist und Musiker zählt. Geräte aus der Zeit sind total über-engineered, alles hält Jahrhunderte.«

Frahm konnte auch deshalb bereits Peter Broderick, Dustin O’Halloran oder Sarah Neufeld im Durton Studio unter seinem Hochbett für Aufnahmen begrüßen. Der Antrieb für seine eigenen Arbeiten wie das gerade bei Erased Tapes erschienene Album Spaces kommt derweil vor allem aus dem Jazz: »Die Idee vom eigenen Ton, diese Idee des Jazz, dass es nicht entscheidend ist, welche Noten du spielst, sondern wie du sie spielst, ist meine größte Inspiration.« Ein Ansatz, der sich, vermischt mit Frahms Produzententätigkeit auch auf seine Konzerte überträgt: »Ich produziere mich jeden Abend wieder neu. Ich schaue mir die Gegebenheiten an und wie wir die nutzen können. Denn du kannst jedes Stück so ändern, dass es jeden Abend wieder funktioniert.«

Wie gut das tatsächlich funktioniert, zeigt ein neues Livevideo von Nils Frahm aus London. Fast sechszehn Minuten ist die Variation »For – Peter – Toilet Brushes – More«, hier nur »Toilet Brushes – More« genannt, lang. Jede einzelne macht neugierig darauf, einem solchen Auftritt einmal selbst beizuwohnen. Eine neuerliche Gelegenheit bietet sich nun in wenigen Tagen in Berlin.

Bei der Veranstaltung in der Reihe »UM:LAUT« am 14. und 15. Dezember im Radialsystem V wird Frahm zusammen mit der Cellistin Anne Müller live ein Tanzstück der Gruppe Neon Dance begleiten. Unter der Choreografie von Adrienne Hart tanzen David Lloyd und Julia Roberts Harts »The Intention«, das an Casares‘ Sci-Fi-Romanklassiker Morels Erfindung angelehnt ist und Fragen der Identität und Virtualität auf die Bühne bringt. Frahm, der erstmals mit Müller in Deutschland auftreten wird, stimmt im Interview bereits auf einen lohnenden Besuch ein: »Die Musik, die gerade populär ist, ist einfach extrem laut und knallig. Da ist so wenig Luft drin, dass ein Klavierkonzert mit Nils Frahm fast schon eine Grenzerfahrung ist.«

Der erste Abend ist allerdings bereits ausverkauft. UPDATE: Für beide Abende gibt es noch einzelne Restkarten an der Abendkasse. Warum Frahm unseren Autoren mit einem Fön begrüßte, die Musik »stark von physiognomischen Voraussetzungen geprägt« und doch zugleich heilsam für ihn war, ist in der aktuellen SPEX nebst Fotos aus seinem Studio nachzulesen.

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