Nightmares On Wax In A Space Outta Sound

George Evelyn ist eine Institution im weiten Feld elektronischer Musik, ist einer von Warps bekanntesten und erfolgreichsten Künstlern und hat vor gut 15 Jahren maßgeblich das Genre der Stoner/Downbeat-Musik begründet. Diese Klänge, die auch gerne mal als TripHop oder Lounge Jazz etikettiert wurden, verzückten ihre Anhänger durch luftigleichte Melodien und schleppende Beats, bei denen es sich vorzüglich abhängen, chillen und kiffen ließ. Nun erscheint das mittlerweile fünfte Album – und es kommt einem so, als wolle Herr Evelyn den diesjährigen Nottinghill Carnival komplett als One-Man-Show beschallen, damit alle an seiner universalen Utopie von liberté, égalité und fraternité teilhaben können – willkommen bei der Love Parade auf 80 bpm. Er bestimmt die Koordinaten eines Bermudadreiecks zwischen Kingston, Haiti und Bangalore, worin jegliche musikalische Innovation auf Nimmerwiedersehen entschwindet.

    Das Album solle ein Spiegel der modernen gesellschaftlichen Zustände sein und sei durch die verschiedenen kulturellen Einflüsse geprägt, die einem tagtäglich in der urbanen Umgebung einer x-beliebigen europäischen Großstadt begegnen. Deshalb erklingen dann wahlweise Reggae-Beats im Wechsel mit afroamerikanischen Percussioneinlagen, Isaac Hayes lupft charmant den Hut zum Gruß, und Nu Soul-Manierismen im Falsettgesang, bei denen ein Maxwell erbleichen würde, werden auch nicht ausgespart. Nicht vergessen werden dürfen ein paar indische Sitar-Volksweisen, denn Chicken Tikka ist ja auch nicht umsonst das neue englische Nationalgericht und hat die fetttriefenden Fish’n’Chips abgelöst. Diesem Zeichen interkulturellen Austauschs muss natürlich auch musikalisch Tribut gezollt werden. Elektronische Musik zeichnet sich per Definition durch repetitive Strukturen aus, allerdings ist dies nicht gleichbedeutend mit der Vernachlässigung eines Spannungsaufbaus und einer dynamischen Dramaturgie. Bei Nightmares On Wax allerdings hat man bei fast jedem Song das Gefühl, in einer träge scheppernden Warteschleife gefangen zu sein, die einen fast schon kafkaesk über fünf Minuten gefangen hält, bevor man an die nächste weitergereicht wird. In einem Song heißt es prophetisch: »Better days are coming you see / visions are for you and me / elevate your soul« – vielleicht lässt George Evelyn sich davon beim nächsten Mal inspirieren.

LABEL: Warp Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 03.03.2006

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