Foto: Thomas Neukum

Dann klopften seine Studionachbarn an die Tür. „Sie meinten: ,Hey Joel, können wir uns das mal anhören?’”, erzählt Wästberg, der erstmal verhalten auf das Interesse reagierte. Zwar spielte er zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Gedanken, seine Songs zu veröffentlichen, „aber ich dachte mir, ich stelle alles auf Spotify und ob es jemanden interessiert, ist mir egal.” Es ging Wästberg um den Schritt der Veröffentlichung an sich, um die Befreiung, „das Zeug einfach rauszuhauen und die Leute darüber entscheiden zu lassen.” Mit der Ermutigung der Studiokollegen und einer guten Freundin trat er in Kontakt zu einigen Labels.

Das Motiv desjenigen, der sich etwas entgegen seiner Erwartungen hart erarbeitet, spiegelt sich auch in Wästbergs Künstlernamen. „Ich wollte eigentlich etwas Albernes, als Abgrenzung zu mir als Person. Das ,sir’ ist mein Versuch, jemand zu sein, der ich nicht bin, mir selbst einfach diesen Titel zu verleihen.” Das Video zu „In The Midst” zeigt ihn mit Krone und majestätischem Umhang in einem Boot über das Wasser treiben. Was hat es eigentlich auf sich mit diesen Königen, die in Musikvideos in hofstaatlicher Aufmachung durch die karge Landschaft flanieren? Ist das eine skandinavische Fixierung mit Royalität?

„Sir Was darf auch ein Arschloch sein, aber mein Joel muss ein anständiger Typ bleiben.“

„Das schwedische Königshaus ist eher was für die Klatschspalten”, erklärt Wästberg. „Wer mit wem, ist wieder jemand schwanger, solche Sachen.” Dann holt er aus und diskutiert das Konzept der vererbten Macht und gesellschaftlichen Position. Kinder von berühmten Personen, die von Geburt an automatisch öffentliches Interesse auf sich ziehen und ihr Leben unter einem angeborenen Scheinwerfer verbringen. „Vielleicht trage ich deswegen eine Krone. Mein Vater ist Zimmermann, meiner Mutter war Krankenschwester. Niemand setzt mir eine verdammte Krone auf, also muss ich es selbst machen und sagen: ,Schau mich an, ich bin ein König.’”

Blitzt da etwa doch ein bisschen royaler Größenwahn hervor? Vielleicht. Wästberg lächelt verschmitzt. „Sir Was darf auch ein Arschloch sein, aber mein Joel muss ein anständiger Typ bleiben.” Wästberg ist ein Träumer. All die Jahre, in denen er noch meilenweit von einer eigenen Künstlerkarriere entfernt war, probte er schon unter der Dusche für Interviews. Die Realität ist dann doch mehr Arbeit, als er sich vorgestellt hatte. Aber als am Vorabend des Interviews ein „etwas luxuriöseres Taxi” am Flughafen für Joel Wästberg wartete, „da war ich plötzlich wieder unter der Dusche, am Träumen.”

Digging A Tunnel erscheint am 10. März bei City Slang.