„Niemand setzt mir eine Krone auf“ – Sir Was im Interview

Foto: Thomas Neukum

Joel Wästberg hat 15 Jahre lang Mut gesammelt, um sein Schattendasein als Studio- und Tourmusiker anderer Künstler zu beenden. Am 10. März erscheint mit Digging A Tunnel das Debütalbum des Schweden. Mit SPEX sprach er über ländliche Machokultur, Tagträume unter der Dusche und das schwedische Königshaus.

„Ich würde gerne auf einer Bühne spielen”, spricht eine eine Männerstimme, tief und basslastig, vielleicht amerikanischer Akzent. Man weiß nicht, wo sich diese Szene abspielt,  aber es klingt hallig, wie in einer Straßenunterführung. „Das solltest du wirklich”, erwidert Joel Wästberg und man bekommt das Gefühl, dass er damit nicht nur sein Gegenüber bestärkt. Der unbekannte Typ mit der Mundharmonika ist irgendwie auch Wästberg, der Musiker, der 15 Jahre lang für andere gespielt und sich nicht getraut hat, die eigenen Songs und Ideen jemandem zu zeigen. „Kannst du noch was spielen?”, fragt er den Unbekannten und zeichnet den kleinen Jam auf. Und Wästberg? Baut einen Track aus der Aufnahme, legt einen Beat darüber, ein paar Akkorde und Gesang. Er gibt dem Mundharmonika-Spieler die Bühne und die Band, die er sich gewünscht hat. Ob er weiß, dass er auf der Debütplatte des Schweden gelandet ist?

Joel Wästberg a.k.a. Sir Was ist in einem Haus voller Brüder auf dem schwedischen Land aufgewachsen. „Du konntest Fußball spielen oder Bandy im Winter”, erzählt er. Bandy ist eine Mannschaftssportart, die auf dem Eis gespielt wird, aber deren Regeln mehr an Fußball erinnern. „Die Leute hatten Mopeds und tranken selbstgebrauten Wodka.” Wästberg verbrachte seine Zeit lieber damit, die Plattensammlung seiner Eltern zu erkunden und als eine Art Schattenmusiker zu den Aufnahmen der Beatles zu spielen – Musik gegen die Machokultur.

„All die Jahre habe ich meine Musik niemandem gezeigt. Also habe ich beschlossen, dass ich damit aufhören werde. Aber ich konnte es nicht.“

Mit 18 Jahren ging er auf eine folkhögskola, um dort zwei Jahre lang in die Jazzmusik einzutauchen. „Aber eigentlich haben mich immer die Beats fasziniert”, gesteht Wästberg – und die sind nun auch auf seinem Album gelandet. Die Einflüsse von Digging A Tunnel reichen von den elterlichen Klassikern bis hin zu panamerikanischen Rhythmen, die er während seiner Zeit in Südafrika kennengelernt hat. J Dilla, D’Angelo und Sly and the Family Stone fließen laut eigenen Angaben ebenso in seinen eklektischen Mix aus Jazz, Beats and Folk ein.

Dabei ist es schon bemerkenswert, dass Album und EP überhaupt in unsere Gehörgänge finden. Joel Wästberg spielte für José Gonzalez und dessen Band Junip Schlagzeug, bereiste als Musiker die Welt – seine eigene Musik hielt er unter Verschluss. „Aus Angst vor dem Urteil anderer Leute”, Wästberg zuckt mit den Schultern. „All die Jahre habe ich an meiner eigenen Musik gearbeitet, aber ich habe sie niemandem gezeigt. Also habe ich beschlossen, dass das sinnlos ist und ich damit aufhören werde. Aber ich konnte es nicht.” Etwa ein halbes Jahr hielt Wästberg die selbstauferlegte Pause durch, dann wurde er unruhig. Er musste wieder etwas tun.

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