Fantastische, körperverhaftete Videos treffen auf einen unkörperlichen Minimal-R’n’B. Ein Kontrast, an dem auch die britische Newcomerin FKA twigs selbst wächst. Nun wurde ein neues Video zum Arca-produzierten »Water Me« veröffentlicht, bald folgt eine EP beim The-xx-Label Young Turks.

Wann immer die junge Sängerin FKA twigs ein neues Video veröffentlicht, darf ein kleines Ereignis erwartet werden. Den Anfang machten die mit gemeinsam mit Grace Ladoja gedrehten Videos zu den vier Songs ihrer EP1»Hide«, bei dem ein nackter Frauenkörper vor rotem Hintergrund eine phallische Flamingoblumenblüte vor sich und nackter Scham hertrug, »Ache« mit einem ausdruckstanzenden Streetwear-Bane-Charakter, »Weak Spot« (unter mithilfe von rossisbudda), in dem FKA twigs selbst sich aus einem 3-D-Engine heraus materialisierte, um schließlich im SW-Video zu »Breathe« einen SUV zu demolieren. Vor drei Monaten kam dann »How’s That«, der erste Titel ihrer neuen, am 6. September bei Young Turks (The xx, SBTRKT, El Guincho) erscheinenden EP2 – produziert von Hippos-In-Tanks-Hoffnungsträger und Kanye-Kollaborateur Arca, verfilmt in diesem Fall von Jesse Kanda, der einen hyperreal animierten menschlichen Körper zerfließen ließ.

Nun gibt wurde FKA twigs’ neuester Song »Water Me« veröffentlicht. In diesem Kanda-Video pendelt die Britin mit jamaikanisch-spanischen Wurzeln und Herkunft aus dem ländlichen Südwesten Englands langsam ins grüne Bild, die übergroßen Augen zunächst geschlossenen, dann weit geöffnet. Eine riesige Träne verselbstständigt sich und wandert durch ihr Gesicht. Wie schon bei den fünf Vorgängern entspringt die eigentliche Faszination aber erst durch den Kontrast aus körperlichem Bild einerseits und unkörperlicher Musik andererseits, genauer: zurückgenommener sphärischer Minimal-R’n’B. Nicht unpassend, dass sie dazu diesmal über die Ablösung von materiellen Werten durch Liebe, also innerer Emanzipation, singt. 2014 soll ein Album folgen.