Newcomer: Ibeyi

Ibeyi

Zwillingskult für die Ohren: Ibeyi sind neu bei XL Recordings und verfugen mit ihrer ersten Single »Oya« Yoruba-Traditionen und ätherischen Pop.

Man darf gratulieren: XL Recordings hat Zuwachs bekommen, und gleich Zwillinge! Die 19-jährigen französisch/kubanisch-stämmigen Schwestern Lisa-Kaindé und Naomi Diaz präsentieren sich der Welt unter dem Namen Ibeyi (sprich: Ii-bej-ii), was in der Sprache der Yoruba schlicht »Zwillinge« bedeutet. 

Damit verweisen die zwei aber nicht nur auf ihren Familiengrad, sondern gleichzeitig vor allem auf ihre Herkunft. Denn die Yoruba sind ein Volk, das eigentlich im südlichen Nigeria und Benin angesiedelt ist, dessen Kultur und Sprache aber auf dem traurigen Höhepunkt des Sklavenhandels im 18. Jahrhundert nach Kuba importiert wurde, wo eine Melange mit den bereits etablierten lateinamerikanischen Klängen entstand. Prägend für die Musik der Yoruba sind die galoppierenden und hypnotischen Trommel- und Perkussionselemente, die auch Ibeyis Harmoniegerüste sehr prominent tragen. (Fun Fact am Rande: Die Yoruba verfügen über die wohl höchste zweieiige Zwillingsgeburtenrate der Welt.) 

Ihr Handwerk lernten Ibeyi von einem virtuosen Fachmann, der praktischerweise auch ihr Vater war – Anga Diaz wurde als kubanischer Perkussionist vor allem durch das Zusammenspiel mit dem Buena Vista Social Club bekannt. Mit versierten traditionellen Klängen allein ist ihr Repertoire, das in den Vorjahren vor allem auf minimalistischem Zusammespiel von Piano und Perkussion basierte, allerdings noch nicht ausgeschöpft. Sie beweisen außerdem ein feines Gespür für Pop, listen Einflüsse wie Fiona Apple oder King Krule auf. Dem Klang ihrerer ersten offiziellen und XLs Richard Russell produzierten Single »Oya« nach zu urteilen, haben die Diaz Schwestern mit Sicherheit auch die eine oder andere Björk-Platte im Schrank stehen.

»Oya« geistert sich rhythmisch durch Folk, Synthpop und Afro-Latin und man darf bei der Gelegenheit auch ruhig kurz seinen Hut vor dem Videoregisseur Jamie-James Medina (Ratking, King Krule, The xx) ziehen, der sehr treffende Bilder für den Song heraufzubeschwören wusste. Zur Zeit nehmen Ibeyi ihr Debütalbum für XL auf. »Oya« ist bereits digital erschienen.


Video zu »Cry For You«, 2012