Nevermen »Nevermen« / Review

Der vielstimmig mäandernde psychedelische Pop von TV On The Radio, verrührt mit Mr.-Bungle-Rock.

Cooles Wissen vor: Wer erinnert sich an Z-Rock Hawaii? Ein Anfang der Neunziger aus einer zufälligen Begegnung entstandener, hysterisch-heiterer Jam der damals heißen Bands Ween und Boredoms, 1996 schließlich in Miniaturauflage bei einem japanischen Label veröffentlicht. Bekannt? Beliebt? Dann haben Sie wahrscheinlich auch von diesem Projekt längst gehört: Nevermen. Gemunkelt wird über die Bekanntschaft dreier nicht mehr ganz frischer Haudegen der US-Alt-Rock-Hop-Dope-Nerd-Intelligenzija ja schon seit einer Weile: Mike Patton und Tunde Adebimpe und Adam Drucker a.k.a. Doseone.

Geboren sind Nevermen aus einer einwöchigen Session von Doseone und Adebimpe in dessen abbruchreifem Williamsburg-Warehouse anno 2008, der begleitenden Legende nach war es bitterkalt, im Januar, ohne Heizung. Man klöppelte, Whisky-erwärmt, auf kaputtem Mobiliar und sonstigem Abbruchschrott, spielte Handschuhkeyboard, heulte die Decke an – sprich: produzierte Klanggemälde, wie man sie von den treibenden Kräften hinter TV On The Radio und Clouddead erwartet. Schließlich schickte man das Material dem Bastelarbeiten gegenüber immer aufgeschlossenen Freak-Freund Patton, Freifahrtschein zur Überarbeitung inklusive. »Kein E-Mail-Dateien-Austausch«, betont das Begleitschreiben, es folgten nur »echte« Studiotreffen. Denn: »Each Never-man was already a true fan of the other two« – was gewiss der Wahrheit entspricht und dem Projekt eine ebenso überladene wie überkandidelte wie positive Aura verleiht.

Man klöppelte auf kaputtem Mobiliar, spielte Handschuhkeyboard, heulte die Decke an.

Verglichen mit den Meilensteinen der einzelnen Beteiligten ist von Clouddeads legendärer Opium-Hop-Atmosphäre am wenigsten geblieben, am meisten erinnert die Kunst an den vielstimmig mäandernden psychedelischen Pop von TV On The Radio, verrührt mit Mr.-Bungle-Rock. Patton macht, was Patton immer macht (wenn er nicht grade von John Zorn zu keifender Popvernichtung verdonnert wird oder ihm der Sinn nach dem Trällern von italienischem Fünfzigerjahre-Liedgut steht): spooky flüstern, knödeln, croonen, shouten. Die anderen machen alles, was sie gut machen. Ergibt zusammengenommen: zehn Stücke, mindestens 20 Hit-taugliche Hooks, vor allem aber 50 wunderbare Brüche – definitiv genug Material für Fans aller Beteiligten, um tagelang in dekonstruktivistische Kontemplation abzutauchen. Für genau diese großfamiliäre Gemeinde dürfte auch der physische Fetisch von enormer Bedeutung sein. Und siehe da, für die Verpackung ist ein vierter Never-man a.k.a. D’Artagnan verantwortlich, nämlich der Brite Keith Tyson, Turner-Preisträger 2002. Neben dunkel leuchtenden 3D-Hüllen gibt es in einer limitierten Auflage für 100 Glückliche nicht nur extra Artwork, sondern auch einen jeweils eigenen Mix und ein Master der Platte. Wow! Labour of love. Order now. (Ende der Produktempfehlung.)

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