Routinemäßiger Schweißausbruch

Foto: Ribbon Music

Die Zeit verfliegt im Tempo des Warp-Antriebs, Quantensprung inklusive: Beinahe eineinhalb Jahre arbeiteten wir in der Spex-Redaktion an einer Geschichte über den amerikanischen Space-Core-Musiker John Maus. Ende Oktober 2009 spielte er eine heute noch legendär in Erinnerung gebliebene Show in Berlin, der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans nutzte damals die Gelegenheit für ein Shooting mit Maus (Tillmans Bilder finden sich in der neuen Spex-Ausgabe #331, weitere Fotos von Maus’ Show in der Londoner Serpentine Gallery wurden in i-D abgedruckt) und erste Demo-Versionen legten damals nahe, dass es so lange nicht mehr bis zum Erscheinen Maus’ dritten Albums dauern kann. Nun befinden wir uns im ersten Quartal des Jahres 2011, und selbst jetzt sind es noch drei Monate hin bis zur Veröffentlichung von »We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves«.

Mit dem Titel des Albums bezieht sich der auf Hawaii mit einem Doktor bzw. Ph.D. in Politikwissenschaften ausgestattete und nun wieder in seiner Heimat Austin, Minnesota lebende Maus nicht zuletzt auf den französischsprachigen Philosophen und Marxisten Alain Badiou, einen Verwandten im Geiste Slavoj Žižeks. In Badious 2008 erschienenem Papier »15 Thesen zur Zeitgenössischen Kunst« heißt es:

»Überzeugt, den gesamten Bereich des Sichtbaren und des Hörbaren durch die kommerziellen Gesetze der Zirkulation und die demokratischen Gesetze der Kommunikation zu kontrollieren, übt das Imperium keine Zensur mehr aus. Sich dieser Erlaubnis zum Genuss hinzugeben, bedeutet den Ruin aller Kunst wie auch den allen Denkens. Wir müssen unbarmherzige Zensoren unserer selbst sein.«

John Maus We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves Cover    Selbstzensur findet derweil in Form eines verspäteten Release-Termins statt: Wegen der verschobenen US-Veröffentlichung auf dem Domino-Sublabel Ribbon erscheint »We Must become …« (siehe Cover links) nun auch in Europa verspätet im Juni, das Londoner Label Upset! The Rhythm bringt die CD- und Vinyl-Version nach Kontinentaleuropa.

Spex-Leser sind wie immer klar im Vorteil: Neben Jens Balzers leidenschaftlichem Artikel über den »großen Pop-Strukturalisten John Maus« in Spex #331 findet sich auf der Heft-begleitenden Spex-CD #95 das Stück »Quantum Leap« in feinster Audio-Qualität – eine der flottesten Nummern aus »We Must Become …« und gleichzeitig die offizielle Weltpremiere des Songs. Alle anderen dürfen nun auch teilhaben: »Quantum Leap« steht über den SoundCloud-Player (s.u.) zum kostenlosen Download bereit.

Wesentlich früher als in Album-Form kann (und sollte) man den früheren Ariel-Pink– und Panda-Bear-Kollaborateur John Maus allerdings Live erleben: Ab dem 25. März ist Maus mit seinem routinemäßig in Schweißausbrüchen und höchstem Endorphinausstoß kulminierendem 30-Minuten-Set in Europa auf Tournee und macht dabei Stationen in Frankfurt, Hamburg, Nürnberg und Berlin.

 


STREAM: John Maus – Quantum Leap

John Maus – We Must Become the Pitiless Censors of Ourselves:
01. Street Light
02. Quantum Leap
03. … And the Rain
04. Hey Moon
05. Keep Pushing on
06. The Crucifix
07. Head For the Country
08. Cop Killer
09. Matter of Fact
10. We Can Breakthrough
11. Believer

John Maus Live:
25.03. Frankfurt – Globe. For Frankfurt and the World (mit Charles Arsène-Henry, Diedrich Diederichsen, Andrew Kerton, Philipp Kleinmichel, Dafna Maimon, Maria and the Mirrors, Susie Meyer, Fabian Stumm)
04.04. Hamburg – Golden Pudel Club
05.04. Nürnberg – K4 (mit Nan Turner)
09.04. Berlin – Hebbel am Ufer / HAU2

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.