Die Klangfarben der Stimme

Seit den achtziger Jahren veredelte seine Stimme nahezu jeden halbwegs bekannten House-Track: Robert Owens dürfte wohl all jenen ein Begriff sein, die mindestens einmal den Fuß über die Schwelle einer Clubtür gesetzt haben. Oder denjenigen, die einfach mit House-Klassikern wie »Tears« von Frankie Knuckles und Satoshi Tomiie, »It’s Over« von seinem gemeinsam mit Larry Heard gegründeten Projekt Finger’s Inc., »Mine to Give« von Photek oder »Walk a Mile in My Shoes« von Coldcut etwas anfangen können – für alle anderen sollte alleine seine umfassende Diskografie Bände sprechen. Nun erscheint zwei Jahre nach »Night-time Stories« sein neues Solo-Album – die Produzenten, denen seine prägnante Soul-Stimme lange als bereicherndes Element ihrer eigenen Stücke diente, treten auf »Art« erneut dezent in den Hintergrund.

    Dabei sind ihre eigenen Namen keine unbekannten: Larry Heard, Beanfield, Atjazz und Show-B produzierten die insgesamt neunzehn Stücke auf »Art«. Wo sich Owens auf »Night-time Stories« noch mit jeweils einem einzigen Produzenten je Track zusammentat, sind es auf »Art« maßgeblich Heard und Atjazz, mit denen er arbeitete – nur knapp ein viertel der Stücke entstand mit Beanfield und Show-B. Verteilt auf zwei CDs geben die Stücke so einen tiefen Einblick in sowohl in die verschiedenen Klangfarben von Robert Owens Gesangsstimme als auch in die stilistische und geschmackliche Vielfalt Johnsons als auch derer Larry Heards und Atjazz’. Ein astreines Album ist »Art« dabei ob der resultierenden Inkohärenz der Stücke nicht geworden, eine Compilation aber ebenso wenig – weshalb die Ettikettierung seitens Owens Labels Compost Records eine recht geschickte ist: Als ›Vault‹, sprich: als Tresor, Schatzkammer oder wertvolles Archiv wird »Art« auch bezeichnet.

    Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, merkt man »Art« allerdings auch an: Die wahren Schätze dieses ›Vaults‹ finden sich fast allesamt auf der zweiten der beiden CDs. Das von dem Briten Martin Iveson alias Show-B produzierte, im dritten Viertel schon fast in einen an die Crazy Cousinz erinnernden Dubstep- bzw. Baile-Rhythmus kippende »Rise«. Beanfields sich gen Himmel schraubendes »It Takes Me High« oder das episch montierte »Unique«. Die stramme Acid-House-Nummer »Be Your Own Hero«, in der Owens mit tiefstmöglichem Bariton über Leidenschaft und Vertrauen singt – und die ebenso wie »Step Inside the Moment« mit dessen prägnanter Bassline oder das träumerische »Ancestral History« von Larry Heard produziert wurde.

    Natürlich hat auch die erste CD ihre Reize – nur tritt Owens hier großteils als Crooner im Down- bis Midtempo-Bereich in Erscheinung. Ob in »Pipe Dreams«, »Black Diamond«, »Reach Inside« oder das an Dr. Dres neunziger-Jahre-Lowrider-Hiphop erinnernde »Wonderful« – man muss es einfach sehr mögen oder aushalten können, wenn sich Owens und Produktionsteam von der sehr souligen, dabei oft etwas zu schmalzigen (oder aus heutiger Sicht einfach musikalisch unzeitgemäßen) Seite zeigen. Äußerst positiv hängen bleiben hingegen »Counting Blessings«, die Downbeat-Nummer »Same Old Thing« oder das von Atjazz produzierte Disco-Soul-Stück »Hearts and Soul«, welches man vor der Veröffentlichung von »Art« am 8. Oktober kostenlos als MP3 herunterladen kann. Im albumtitelgebenden Stück (wiederum produziert von Larry Heard) singt Owens »You captivated me / like a great masterpiece / perfection to me / Art, art, art«, dazu ergänzt er erklärend: »Kunst steht für mich für Menschen, denen ich im Laufe meines Lebens begegnet bin (…), die Gedanken und Gefühle in meinem Verstand haben entstehen lassen. Ich betrachte jeden dieser Gedanken als Gemälde, als Leinwand gefüllt mit allen möglichen Gefühlen und Emotionen. Jeder Song ist ein künstlerischer Ausdruck aus der Galerie in meinem Kopf.«

 


MP3: Robert Owens – Hearts and Soul


STREAM: Robert Owens – Exhale and Breathe

Foto: © Robert Owens

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