Pixelrausch in Lachsrosa

slugabed-columbus-video-stills    »Let me take you along for a ride / On a spaceship into the night« raunt der deutsch-iranische Sänger Amos – eine Hälfte des Münchner Electropop-Projekts COLUMBUS – beim Song Hubble suggestiv ins Mikrofon. Im dazugehörigen Video wird der versprochene Trip von dem Designer Alex Dueckminor als surreale Tropenfantasie in einer Mischung aus Realfilm und computergenerierten Bildern visualisiert. Vor einem animierten Strand-Hintergrund, der an die ersten Videospiele mit 3D-Grafik erinnert und dessen Farbgebung an Miami Vice angelehnt ist (nur die pinken Flamingos fehlen), nimmt ein Strandmodenmodel in einem Jane-Fonda-Gedächtnis-Einteiler ein Sonnenbad, bis die offenbar psychedelische Wirkung der mitgebrachten Musikkassette sie auf eine wilde virtuelle Reise schickt. In Verbindung mit dem Italo-Disco-Sound von Columbus bildet das Video ein Gesamtpaket an stilbewusstem Retro-Surrealismus, wie er wohl nur in München enstehen kann.

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VIDEO: COLUMBUS – Hubble

    Die Bildsprache von Videospielen der frühen Neunziger Jahre zitiert auch der amerikanische Nachwuchs-Regisseur Steve Smith in seinem Video für den Ninja-Tune-Künstler SLUGABED. Bei Moobeam Rider geben die Bleeps und 8bit-Computerspielklänge des »Wonky«-Dubstep-Stücks des britischen Produzenten natürlich bereits eine Steilvorlage für die optische Umsetzung. Smith fügt seinen Weltall-Animationen aber noch eine weitere Bedeutungsebene hinzu, in dem er die Animationen durch Pixelrauschen, wie es jeder von fehlerhaft geladenen Flash-Videos kennt, rhythmisch zerlegt und dekonstruiert. So wird der Retro-Futurismus des Videos gleichzeitig zum Meta-Kommentar auf die Bugs und Programmierfehler des digitalen Zeitalters.  

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VIDEO: SLUGABED – Moonbeam Rider

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