Alles eins machen

Wo ist Dubstep? Oder anders gefragt: Wo ist Housemusik? Darren Cunningham alias Actress schob Anfang des vergangenen Jahres mit seinem Album »Splazsh« erfolgreich die Genretektonik an, die Musiken begannen seitdem immer mehr zu driften und sich zu reiben: Joy Orbison veröffentlichte zuletzt immer mehr von geraden Beats geprägte Tracks oder legte konsequenterweise auch gleich House statt Dubstep auf – so geschehen u.a. 2010 im Horst Kreuzberg, was auf der Tanzfläche durchaus für Irritationen ob der musikalischen Taktung sorgte. Mit dem neuesten Teil der Reihe »fabric Live« gibt nun der 22-jährige Produzent David Kennedy einen Überblick über seinen Output unter den Pseudonymen Ramadanman und Pearson Sound.

    Spätestens seit der Gründung des von ihm mitbetriebenen Labels Hessle Audio im Jahr 2007 hat es Kennedy zu respektabler Prominenz geschafft – dabei rutschte er gerade einmal ein Jahr zuvor in die Szene. Gut, von hineinrutschen sollte weniger die Rede sein: der aus dem Nord-Londoner Stadtteil Highgate stammende Teenager tauchte kopfüber in Dubstep ab. Zwei weitere Jahre dauerte sein ungebrochenes Interesse an, bis nach Veröffentlichungen auf Labels wie Swamp ’81, Hemlock, Aus, und Soul Jazz Records der große Durchbruch kam: Unter seinem noch in Jugendtagen entwickelten Alias Ramadanman, das er heute zu Gunsten des Namens Pearson Sound abzustreifen versucht, veröffentlichte Kennedy schließlich mehrere hervorragende Singles (»Glut / Tempest« und »Work Them«), welche die Progression von Dubstep zu Gunsten einer stärkeren House- und Dubtechno-lastigkeit maßgeblich vorantrieben.

    Da ist der Offbeat zwar weiterhin präsent, zwar brummt der Subbass immer noch, zwar bleibt die Grundstimmung weitestgehend düster – aber der Rhythmus ändert sich hörbar Richtung 4/4-Takt. Für »fabric Live 56« hat Kennedy die stolze Zahl von 30 Stücken (davon zehn seiner eigenen Produktionen) zusammengetragen – allesamt aber skelettiert, kurz angespielt, für die Dramatik des DJ-Sets auf das Nötigste reduziert. Gerade deshalb funktioniert »fabric Live 56« aber auch so gut: Man fühlt sich unterhalten wie bei einem DJ-Set im Club, der Mix spiegelt die schallplattenunterhalterische Qualität und das breit gefächerte musikalische Interesse Pearson Sounds wieder. Ebenso präsentierte sich dann auch die Release-Party der Compilation im Londoner fabric Club. Alle waren da: Mala (Digital Mystikz), Joy Orbison, Pinch, Pangaea, Instra:mental, DBridge. Die Warteschlange zog sich entsprechend bis um die nächste Kreuzung, Kennedys Floor war brechend voll, in den verwinkelten Räumlichkeiten des Londoner fabric Clubs herrschte Party-Ausnahmezustand – Pearson Sound spielte routiniert, inspirierend und vor allem quer durch alle musikalischen Schubladen. Dubstep? Techno? House? Alles kann eins gemacht werden, schien seine Devise zu lauten.

    Am 25. März erscheint »fabric Live 56« auf dem clubeigenen Label, im Mai kommt Pearson Sound für ganze drei DJ-Sets in den deutschsprachigen Raum. Neben einem sonntäglichen Booking im Hamburger Golden Pudel Club spielt Kennedy am Tag des DFB-Pokalspiels in der Panoramabar, angekündigt wird sein Set mit dem Zusatz »Hessle Audio vs. Doldrums« – womit wohl nur ein Back-2-Back-Set mit Doldrums-Mitbetreiber Joy Orbison sowie Kennedys Label-Kollaborateuren Ben UFO und Pangaea gemeint sein dürfte.

 


STREAM: Ramadanman – fabric Live 56 (30 Min. Mix)


STREAM: Ramadanman – Glut / Tempest

Pearson Sound / Ramadanman (DJ):
07.05. A-Wien – Usual Suspects
21.05. Berlin – Panoramabar (Hessle Audio vs. Doldrums)
22.05. Hamburg – Golden Pudel Club

Pearson Sound / Ramadanman – fabric Live 56:
01. Pearson Sound – Hawker
02. Levon Vincent – Late Night Jam
03. Elgato – Music (Body Mix)
04. Marcello Napoletano – Everyday Madness
05. Tiyiselani Vomaseve – Vanghoma
06. Pearson Sound – Wad (fabric Edit)
07. Julio Bashmore – Battle for Middle You
08. Ramadanman – Grab Somebody
09. Ramadanman & Appleblim – Void23 (Carl Craig Re-Edit)
10. Pearson Sound – Project
11. Joy Orbison – GR Etiquette (Pearson Sound Symphonic Refix)
12. J Kenzo – Ruckus (Martin Kemp Remix)
13. Fugative – Bad Girl (Lil Silva Dub)
14. A Made Up Sound – Demons
15. Jam City – Night Mode
16. Mr Mageeka – Different Lekstrix
17. Pangaea – Inna Daze
18. Pearson Sound – Stifle
19. MJ Cole – From the Drop feat. Wiley
20. Pinch – Qawwali
21. Joy Orbison vs. Ramadanman – J. Doe Them
22. Pearson Sound – Picon
23. Burial – Pirates
24. Die Barbie Musik Kollektive – Face (Junk)
25. GIRL Unit – IRL (Original / Bok Bok Remix)
26. D1 – Subzero
27. S-X / Ramadanman – Woo Riddim / Glut
28. Addison Groove – Fuck the 101
29. Mala / Joe – City Cycle / Claptrap (Tease)
30. Sigha – Light Swells (In A Distant Space)

Foto: © Jimmy Mould

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