N.E.R.D.

Es gibt Probleme: Zuforderst das seltsame Artwork, das Chad, Pharrell und Spymobs Shay in einem halbierten Ei präsentiert, dessen Außenseite fein säuberlich im Design der nordamerikanischen Nationalflagge gehalten ist. Was soll das? Auf der Rückseite sitzt ein aufgeplustertes rotes Küken in einer kleineren Ausgabe des Ami-Ei; blinzelt aus stahlblauen Augen. Der Husky, rot-fellig und blau-äugig, bereits aus dem Video zu »She Wants To Move« bekannt, fehlt ebenso wenig wie ein sauber arrangiertes Gläschen Messwein hinter Hostien, in die das »N.E.R.D-brain« geprägt ist. Zu dieser symbolüberfrachteten Stuss-Fülle gibt es ein Statement Chads: »Alle klassischen Rockkünstler haben ihr eigenes kleines Ding – Jefferson Starship ihr Raumschiff, Journey ihren Käfer, Rush den nackten Typen – so ein Element wollten wir auch.« Schwerer wiegt, was in weißen Lettern vom Rücken des Albums strahlt: »feat. Joel and Benji Madden«. Die depperten Good Charlotte-Brüder? Auch wenn sie kaum mehr als ein einsilbiges »jump, jump« im Hintergrund krakeelen – das ist des Guten zuviel. Der Würgereiz setzt schon bei der Aussicht ein, Lenny Kravitz ein weiteres Mal ertragen zu müssen – als hätten seine Gastspiele in »Show Me Your Soul« und »Frontin« nicht gelangt – um seine wimmernde Gitarre kommt man aber auf »Maybe« nicht herum. Wer den lahmen Berliner Live-Auftritt, ohne Chad, erlebt hat, der dürfte es geahnt haben;­­­ wer sich im letzten Jahr, ob der Omnipräsenz, mit der Pharrells Schnute auf allen Musikkanälen flimmerte, eines gewissen Unwohlseins nicht erwehren konnte, dürfte sich spätestens jetzt bestätigt fühlen: »Fly Or Die« ist kein Geniestreich, es ist eher unausgegoren und überambitioniert. Der überproduzierten Erst-Fassung von »In Search Of« half die Live-Einspiele von Spymob für den zweiten Release ungemein, nicht zuletzt, weil so Kontrast zu Pharrells auf Dauer enervierendem Falsett geboten wurde. Auf »Fly Or Die« besorgen hauptsächlich Pharrell und Chad die Live-Instrumentierung. Egal wie stolz Chad Hugo sein mag, sich das Gitarrenspiel gelehrt zu haben, sonderlich gut spielt er nicht. Die beiden Sympathen aus Virginia-Beach haben sich ihre alte Rock-Plattensammlung vorgenommen und platt gebügelten Fusion-Rock produziert. Ihre Balladen sind schlimm. Pharrell Williams ist kein Curtis Mayfield und Vangelis eine miese Messlatte. Zwei Hitsingles gibt es: mit »She Wants To Move« ist leider eine bereits bekannt. »Thrasher« schließt Beatle-Mania mit ein paar lauten Gitarren kurz, kloppt wirre Pianoläufe drunter und klingt unterm Strich wie eine überkandidelte Queen-Hommage – gut! Alles weitere: Eher platte Texte, die zwischen seltsamer Teen-Peer-Fixierung und üblicher Hornyness wechseln, das unmotivierte Herumgepfeife, das schon Axl Rose nicht sonderlich zu Gesicht stand, beweisen, dass Chad und Pharrell als Produzenten Scheiße in Gold verwandeln können, es bis zum goldenen Händchen in Sachen Genre-Hopping aber noch gut Lehrgeld braucht.

LABEL: Star Trak Entertainment

VERTRIEB: Virgin

VÖ: 22.03.2004

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