Nazoranai 一番痛い時は 一度だけ それは もう 訪れているのかな …

Zwischen den Extremen: Auf 一番痛い時は 一度だけ それは もう 訪れているのかな … kollaborieren die Brutalo-Basser Stephen O’Malley und Oren Ambarchi mit dem Ästhetik-Extremisten Keiji Haino

»Wir müssen unbedingt zusammenarbeiten!« Das waren der Legende nach die ersten Worte, die Stephen O’Malley per Mail an den australischen Multiinstrumentalisten Oren Ambarchi richtete, nachdem dieser auf einer Party per DJ-Set den Feueralarm ausgelöst und so die Evakuierung des Gebäudes verantwortet hatte. Ein gutes Jahrzehnt ist das nun her, die Liste der gemeinsamen Projekte der zwei Brutalo-Basser ist kaum mehr zu überschauen. O’Malley übernahm das Design vieler von Ambarchis Veröffentlichungen, dieser wiederum half bei einigen Sunn-O)))-Alben aus und nebenbei jammten die beiden zusammen in diversen Formationen mit großen Namen; zuletzt erschien der zum full length mutierte Kurzfilm-Soundtrack Shade Themes From Kairos mit Drummer Randall Dunn.

Für das Projekt Nazoranai haben sie sich den richtigen Ästhetikextremisten ausgesucht: Keiji Haino wird öfter wie die Hauptfigur eines abgeschmackten Cartoon-Sketches von der Bühne gezerrt, weil Publikum und Security den atonalen Gitarrensoli, Noise-Attacken und der Vocal-Performance Hainos an Ausdauer nicht das Wasser reichen können. Nazoranai ist ein reines Live-Projekt, dessen Songtitel sich wie enigmatische Kurzgedichte lesen: »Die schmerzhafteste Zeit / Kommt nur ein einziges Mal / Ist sie schon angebrochen ..?«, heißt beispielsweise der Titeltrack in deutscher Übersetzung. Ob der sonnenbebrillte Frontmann Haino vor O’Malleys funkigen Doom-Basslines und Ambarchis störrisch-hölzernem Jazz-Drumming solche philosophischen Fragen auch aufschlüsselt, bleibt unentscheidbar. Zwischen die Extreme – schrilles Schreien oder überspanntes Flüstern – quetscht Haino höchstens ein dezentes »Na-zo-ra-na-i!«, das war es schon mit der Gemeinverständlichkeit. Immerhin gibt sich die 2013 aufgenommene Improv-Session etwas strukturierter als das vor zwei Jahren veröffentlichte Erstwerk. Das mindert zwar den Spaß etwas, fordert aber weniger Anstrengung ein.

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