Naytronix »Mister Divine« / Review

Mister Divine implodiert unter dem Gewicht seiner eigenen Ambitionen.

Sandstrand, Möwen, türkisfarbenes Wasser. Mit dem Videoclip zu »Mister Divine« spiegelt Nate Brenner die Ästhetik von Naytronix ziemlich genau wider: Sommerbilder in übersättigten Farben, völlig verzerrt und überlagert von scheckigen Bildstörungen. Brenner hat eine weiche Stimme, die vollkommen sonnendurchwärmt wirkt. Wenn er damit zur ersten Strophe ansetzt, könnte man an den leicht gepuderten Songwriterpop von José Gonzalez denken. Eine Assoziation, die zum Glück schnell vom Klirren einer Gameboy-artigen Synthesizerfigur beiseite gewischt wird wie von einem Weckruf: Wir haben es hier immer noch mit einem Mitglied der Tune-Yards zu tun, weswegen Nate Brenner uns auch solo mit vielfältigsten Samples und Geräuschen überschwemmt.

Brenner wohnt in Oakland, Kalifornien und erweiterte 2010 die Besetzung der Tune-Yards, die bis dahin ein Soloprojekt von Merrill Garbus gewesen waren. Dort spielt Brenner Bass und Synthesizer und arbeitet zusätzlich an verschiedenen Nebenprojekten. Naytronix klingt viel organischer als seine andere Band, es gibt seidige Bassläufe, wattierte Afrorhythmen, jazzy getuschtes Schlagzeug, assoziatives Gitarrenspiel. Man kann sich schön in diese Musik reinlegen, wie in eine Hängematte, die noch zu sehr wackelt, als dass man sofort einschlafen würde.

»Starting Over« erinnert mit einem Uralt-HipHop-Sample ein bisschen an DJ Shadow, und auch das in den übrigen Songs ziemlich stoisch durchtackernde Metronom hat etwas vom selben ironischen Sample-Gestus. Brenner hat außerdem einen Fetisch für nostalgische, spacige Synthesizer, aus denen er, wie sich 2012 auf seinem Debüt Dirty Glow zeigte, großartige Dinge entwickeln kann. Da gab es funkig psychedelischen Afrobeat, der oft von filzigen Synths und Brenners heller Stimme geerdet wurde. Man muss sich nur den Song »In The Summer« anhören: windschiefe Gitarren, leiernde Keyboards, ein unglaublich dynamisierendes Schlagzeug und Brenner, der wiederholt: »In the summer, summer, summer, things happen so slow.« Acid-Sprengsel, wummernder Bass, umwerfende Stimmung.

Auf Mister Divine gibt es nichts ähnlich Zwingendes mehr. Das Album ist nicht richtig stimmig, zerfällt in seine Einzelteile. Weil Brenner den Fokus so sehr auf einzelne Overdubs und Experimente legt, implodiert Mister Divine letzten Endes unter dem Gewicht seiner eigenen Ambitionen. Ein bisschen mehr Hängematte hätte Mister Divine wohl gar nicht geschadet.

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