Naked Lunch auf Ehrenrunde

30 Jahre »On The Road« von Jack Kerouac! Das Manifest der Beats! Romantisch unterwegs sein durch die Lande! 3sat-Alarm! Und was schreibt Naked Lunch-Sänger und Performer Oliver Welter in seinem Blog WelterSkelter über die Louisville Label-Tour? »Mit einem Nightliner, (sowas wie eine rollende Jugenherberge ), unterwegs sein, nie schlafen, den Schweiss der anderen ständig aufsaugen und nach Tagen völlig ermattet nach Hause kommen.« Klingt wenig schön? Nochmal Welter: »Klingt wenig schön. Ist es in vielen Momenten auch nicht. Mit den richtigen Leuten aber ist alles möglich.«

   »You can't make it with geometry and geometrical systems of thinking.«
Jack Kerouac, On The Road

    Abgesehen davon, dass die Grunge-Sensation Navel aus Erschwil im Schweizer Kanton Solothurn sowie das Berliner Style-Pop-Quartett Jeans Team wohl ganz bestimmt mit den »richtigen Leuten« gemeint sind, geht es an dieser Stelle ganz und gar um Naked Lunch.
    Denn mit der Louisville Records-Tour laufen die Klagenfurter eine Ehrenschleife. Eine Runde von Basel über Graz und München nach Berlin. Damit dann hinterher hoffentlich ganz Switzerland-Austria-Germany klar ist, wer in diesen Monaten den Goldenen Kuschelbären vom Heiligen Song verdient. Die ganze Vorgeschichte dürfte sich nun, immerhin drei Jahre nach ihrem Comeback mit dem Album »Songs For The Exhausted«, so langsam erübrigen. Endlich. In einen Satz komprimiert: Diese Band aus Kärntens Landeshauptstadt Klagenfurt existiert seit fast zwanzig Jahren und hat eine Geschichte hinter sich, in der das Drama des begabten Kindes mit den Unbillen des Indieseins in einer Major-Welt multipliziert wird.

    »Das war ein bisschen ein Irrweg«, sagt Welter über die neunziger Jahre, als Naked Lunch jung waren und Rockstars spielten. Wie sich all das auf den Kern der mal als Trio, mal als Quartett auftretenden Naked Lunch ausgewirkt hat, klingt eh auf den »Songs For The Exhausted« voll durch. Nach etlichen Alben und EPs bei Kleinst- und Größt-Labels beginnt 2004 die neue Zeitschreibung. Sänger Oliver Welter und Arrangeur und Mixer Herwig Zamernik bilden den Kern dieser Band, meist ist Schlagzeuger Stefan Deisenberger mit von der Partie. Und auf »This Atom Heart Of Ours« spielte der Hamburger Olaf Opal (produzierte u.a. Boxhamsters, Die Sterne und The Notwist) eine größere Rolle als bloß die des Produzenten und Arrangeurs.

    »Viele Instrumente, zum Beispiel das Piano, beherrschen wir eher halb gut. Und das ist uns wichtig. Wir spielen was und entscheiden dann. Bringt's was? Wenn es was bringt, speisen wir Akkorde, Tonfolgen rein.« Die Erzählungen Welters wie auch die Herwig Zamerniks über die Aufnahmen von »This Atom Heart Of Ours« klingen mehr nach Spaß und Rumprobieren dreier Multiinstrumentalisten denn nach dem professionellen Eintüten von Liedern einer erfahrenen Band. Dieses Suchen gibt dem Album einen Schlag ins Ungesicherte. Was sich als gutes Mittel erweist, das große Thema der Platte, nämlich die Liebe, nie ins Häuslebauerische kippen zu lassen. So gelang es vielleicht noch keiner Band vor Naked Lunch, eine Zeile zu singen wie »I love my son and I love my daughter«. Der dazugehörige Song »Military Of The Heart« ist die Hymne, das eröffnende Titelstück die Beschwörung, und der ambiente Gitarrenchoral »In The Dark« eine kaum fassbare Verdichtung von Güte. »In Klagenfurt gibt es wenig Berührungspunkte mit anderen Bands. Wir haben dafür viel mit Leuten zu tun, die gar nichts mit Musik machen.« Also: Szenen abschaffen, Tragisches erleben, eins, zwei, drei, viele »This Atom Heart Of Ours« schaffen.

Die Louisville Records Drei Länder-Eck-Tour mit Naked Lunch, Jeans Team, Navel (und Jolly Goods *), präsentiert von Spex. Die Daten:
27.09. CH-Basel – Das Schiff /// 28.09. CH-Graz – PPC /// 29.09. München – Ampere /// 30.09. Berlin – Volksbühne *

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here