Nadia Reid „Preservation“ / Review

Rauer, entschlossener, fokussierter als das Debüt: Preservation klingt in jeder Hinsicht verstärkt.

Die Google-Bildersuche liefert zu Preservation Symbolfotos von sauren Gurken in Einmachgläsern. Nadia Reid konserviert auf ihrem gleichnamigen zweiten Album das Vergängliche, und man ahnt, dass das rituelle Einkochen von Emotionen im Fall der Neuseeländerin mehr mit Selbsterhaltung als mit Landfrauenromantik zu tun hat. „There were two little words that I used / One was ‚fuck‘ / The other was ‚you‘“, steht auf einem der Etiketten. Homemade with love.

Während plötzlicher Frost in der Natur im worst case die gesamte Ernte vernichtet hätte, hat der von Reids Trennungstief ausgelöste Wintereinbruch den ohnehin schon beachtlichen Reifungsprozess der Künstlerin noch weiter katalysiert. „Wise beyond her years“ hieß es in fast jeder Rezension zu ihrem 2014 in Eigenregie veröffentlichten, 2015 bei Spunk! erschienenen, folksozialisierten Debüt Listen To Formation, Look For The Signs. Mittlerweile ist Reid 25, Spielalter 38 bis 41. Das liegt weder an ihrem Faible für seriöse Retro-Brillen, noch an ihrer Alt-Stimmlage, sondern an dieser unerschütterlichen, lebensweisen Gefasstheit, mit der sie durch die aktuelle Staffel ihrer Vita führt. Reid unterstreicht das „Elan“ in der Melancholie und widmet sich beispielhaft dem Thema Selbstakzeptanz.

Reid unterstreicht das „Elan“ in der Melancholie.

Preservation klingt nun rauer, entschlossener, fokussierter als das Debüt; in jeglicher Hinsicht verstärkt also. Die Akte Exfreund wird in „Richard“ mit brodelnder Rhythmusgruppe verhandelt, „Te Aro“ noch auf die letzte Minute von einer brachialen E-Gitarre tranchiert. Falls jemand Komplizen sucht: Die liebenswürdigen Popnummern „Right On Time“ und „The Way It Goes“ sind es schon mal nicht. Reid kommt in diesen zehn entwaffnenden Episoden sowieso mit allem durch. Unter anderem damit, den besten Song der Platte gleich am Anfang rauszuhauen: Der Titeltrack klingt wie auf einer Nebelbank eingespielt, die E-Gitarre sorgfältig mit Hall ausgepolstert, Beleuchtung höchstens durch ein paar Glühwürmchen. „Every heart has a season / Changing as it grows“, singt sie ein paar Lieder weiter, und man begreift: Wer im Herzen etwas zu beackern hat, muss mit dem Erntedankfest nicht bis zum Herbst warten.

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