Elektro-Pionier Mark Bell von LFO ist tot – ein Nachruf

Wie gestern bekannt wurde, verstarb LFO-Gründer Mark Bell bereits vergangene Woche. SPEX erinnert an den Warp-Ausnahmeküstler, der nicht nur die elektronische Musik der 90er prägte, sondern Künstler des Genres bis heute entscheidend beeinflusst.

»Eisige Endzeitgefühle beim Tanz im Flugzeughangar, ein todessehnsüchtiger Schauer der Unsterblichkeit in der Isolation des ewigen Trockeneises.« Mit diesen Worten beschrieb Hans Nieswandt das Stück »LFO« des Duos LFO im Jahr 1996 in SPEX. Selbst Jahre nach dessen Erscheinen laufe ihm beim Hören des Tracks immer noch ein »heißkalter rush« über den Rücken, schrieb Nieswandt, »wie Opa bei ›Satisfaction‹« – ein Vergleich, der Mark Bell zum Keith Richards der Generation Rave macht.

Der aus dem nordenglischen Yorkshire stammende Mark Bell hatte LFO als Teenager zusammen mit Gez Varley gegründet. Das Duo war eines der ersten Signings auf dem 1989 ins Leben gerufenen Label Warp. Schon mit den ersten Veröffentlichungen wurde LFO zu einem der prägendsten Acts der frühen Neunzigerjahre und damit der gesamten UK-Rave-Ära.

1990 erschien die Debütsingle mit dem erwähnten Track »LFO« und erreichte auf Anhieb Platz 12 in den UK-Singles-Charts. Der namensgebende low-frequency oscillator soll damals über die mobile Beschallung durch Auto-Subwoofer das gesamte britische Suburbia in Schwingungen versetzt haben.

Mark Bell blieb mit LFO über all die Jahre aktiv (Gez Varley war 1996 ausgestiegen). Erst Mitte September 2014 trat er bei Warp 25 auf, der Veranstaltungsreihe zum 25. Geburtstag des Labels in Krakau. Vor allem aber stand Bell mit seinem Wirken und seiner Person dafür, wie die elektronische Musik der frühen Neunziger heute noch die gesamte Popmusik beeinflusst. Er war als Produzent für zahlreiche Künstler aktiv, am prominentesten für Depeche Mode sowie immer wieder für Björk, deren Musik er seit dem Album Homogenic aus dem Jahr 1997 maßgeblich mitprägte.

Björk postete diesen Montag auf ihrem Twitter-Account einen Mark-Bell-Remix von »Possibly Maybe« und einen alten LFO-Track: »Love Is The Message«.

Wie an dem Tag bekannt geworden war, starb Mark Bell bereits vergangene Woche an Komplikationen nach einer Operation. Den »todessehnsüchtigen Schauer der Unsterblichkeit« in seiner Musik wird man nun umso stärker spüren.

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