Brannten Schnüre – Durch unser zugedecktes Tal (You Don’t Have To Call It Music)

Bei Brannten Schnüre ist von der Klimakrise noch nichts angekommen, allgemein aber lebt das Würzburger Dark-Folk-Duo noch lange nicht in diesem oder gar dem vorigen Jahrhundert. Wirklich seltsame Musik für Fans von: Hildegard von Bingen, Grouper, Mittelaltermärkten und weißen Weihnachten.

Reinhören: „Wann kommst du geschneit

Daniel Lopatin – Uncut Gems Original Motion Picture Soundtrack (Warp)

Was anderen die Riester-Rente, das sind für Daniel Lopatin Safdie-Brothers-Filme. Uncut Gems ist nach Good Time sein zweiter Soundtrack für die beiden und der etabliert ihn endgültig als den Klaus Schulze des digitalen Zeitalters. Ob das die Fans freut, ist das eine. Die Steuerberatung kichert sich in jedem Fall in den Taschenrechner.

 Reinschauen: „Uncut Gems (Trailer)

Hannah Diamond – Reflections (PC Music)

À propos gekonnter Sell-out: PC Music, anyone? Auch so eine erwartbare Enttäuschung der Zehnerjahre. Hannah Diamond hat nun aber mit Reflections ein neues Album bei dem Label abgeliefert, dessen Alumni mittlerweile samt und sonders in die Produktionsstudios von Blockbuster-Pop-Stars abgewandert sind. Klingt dann auch weniger nach Sophie als vielmehr nach dem Mall-Soundtrack, den der Rest des Rosters noch mit bloßer Geschwindigkeit kaschieren konnte. PC Music anno 2019: ziemlich dated.

Reinschauen: „Invisible

Large Unit Fendika – Ethiobraz (PNL)

2009: Paal Nilssen-Love besucht Äthiopien. Geil da! 2013: Paal Nilssen-Love besucht Brasilien. Auch geil da! Was liegt also näher, als aus beiden Ländern einen gigantischen Kader von Musiker_innen zu rekrutieren, eine Band zu gründen und gemeinsam mit Terrie Ex auf der Bühne eines Jazz-Festivals den fünften Geburtstag der Large Unit Fendika als ausschweifende Party zu feiern? Richtig: einiges. Aber Nilssen wäre nicht Love, wenn er Naheliegendes machen würde. Ethiobraz beschließt ein hyperproduktives Jahr für den Trommler, der den Präfix „Ausnahme-“ überhaupt erst erfunden hat.

Reinschauen: „Molde Jazzfestival 2018

Throbbing Gristle – A Souvenir Of Camber Sands (Mute)

Überhaupt Künstler_innen, die gegen den Strom schwimmen – oder zumindest weitab davon durch die Musikwelt paddeln: Throbbing Gristle erleben mittlerweile auch ihre definitive Boxsetisierung. Kurz vor Weihnachten werden von Mute gleich drei Alben aus der Schaffensphase zwischen den Jahren 2004 und 2007 der damals wiedervereinten Band neu aufgelegt: TG NowPart Two: The Endless Not und A Souvenir Of Camber Sands, letzteres der Mitschnitt einer Liveshow beim ATP Nightmare Before Christmas Festival im Jahr 2004. Das passt also zumindest  thematisch zum Resteverwertungs-, äh, Upcycling-Wahn dieser Zeit. Throbbing Gristmas!

Reinhören: „Fed Up (Live)