Dan Deacon – Mystic Familiar (Domino)

Wisst ihr noch, damals, als alle Welt von diesen Hipsters sprach, obwohl niemand aber genau wusste, was das eigentlich sein soll, sich aber alle sicher waren: Dan Deacon muss einer sein! Ja, und jetzt ist’s plötzlich 2020. Mystic Familiar bietet cleveren, opulenten und hochgeschwinden Party-Indie-Pop mit Mitgrölhooks, die komplett aus der Zeit gefallen scheinen. Wisst ihr noch, damals, als dermaßen viel gude Laune noch nicht komplett deplatziert wirkte?

Reinschauen: „Sat By A Tree

Hackedepicciotto – The Current (Potomak)

Zugegeben: Bei Alexander Hacke und Danielle de Picciotto gibt es nicht immer unbedingt gude Laune im engeren Wortsinn. Gude Nachrichten sind es jedoch allemal, wenn das nomadische Duo ein neues Album vorlegt. The Current vertieft sich in viel Knisterelektronik und verhallte Spoken-Word-Passagen, reichert das Klangbild aber auch um dezente Rhythmen und satte Streicher an. Klingt nach Weltuntergang, soll aber Hoffnung mit auf den Weg geben, wenn die Hölle erst einmal durchlaufen ist. Das klappt. Eindringlicher klangen Hackedepicciotto bisher selten.

Reinhören: „Defiance

Poliça – When We Stay Alive (Memphis Industries)

Auch When We Stay Alive flüstert davon, dass es weitergeht, weil es muss. Der Hintergrund: Poliça-Songwriterin Channy Leaneagh fiel von einem Dach und schlug sich dabei die Wirbelsäule an. Der anschließende Heilungsprozess war nicht nur auf die Reha beschränkt, sondern resultierte auch in einem Album, auf dem Leaneagh über Trip-Hop-inspirierten Beats und dem einen oder anderen Pomp-Moment ihre eigene Geschichte neu schreiben will. Das Ergebnis? Klingt leider selten so eindrücklich wie das, was es zum Ausdruck bringen soll.

Reinschauen: „Forget Me Now

Pauline Oliveros, Stuart Demptster & Panaiotis – Deep Listening (Important)

Pauline Oliveros machte der Welt ein Geschenk, das diese heutzutage mehr denn je gebrauchen kann: ein Satz neue Ohren. Wo chilliger Mood-Ambient hier und hitziger Workout-Sound dort das Wahrnehmungsfeld unter sich aufteilen, ist die Reissue ihres bahnbrechenden Albums Deep Listening mit Stuart Demptster und Panaiotis eine willkommene Erinnerung, dass Musik verdammt nochmal gehört werden will. Und zwar tief. Ergänzt durch Aufnahmen des Albums The Readymade Boomerang von Oliveros Deep Listening Band gibt es auf der Deep Listening-Neuauflage 83 Minuten Drone zum Sich-richtig-rein-versenken zu hören. Selbstentgrenzung statt self care, das ist doch ein guter Ansatz.

Tiefenreinhören: „Lear

Squarepusher – Be Up A Hello (Warp)

Gute Zeiten für Tom Jenkinson: Die Leute tanzen wieder zu fünffach gebrochenen Beats – oder versuchen es zumindest. Be Up A Hello ist das erste Squarepusher-Album seit fünf Jahren, könnte heutzutage den Zeitgeist kaum besser mit den Haaren zuerst ins Bällebad ziehen und grüßt dementsprechend siegessicher. Tracks wie „Terminal Slam“ spritzen zwar mit Rave-Nostalgie um sich, in seinen besseren Momenten drückt Jenkinson aber konsequent den Bass rein, statt mit voller Kraft auf die Tränendrüse. Bis das neue Album von Igorrr noch nicht in den Plattenläden angekommen ist, gratulieren wir: Der goldene Hirnknoten für die größte Überforderungsleistung des jungen, wenngleich schon ziemlich fordernden Jahres geht bis auf Weiteres an Squarepusher.

Reinhören: „Vortrack