Mus / Keren Ann

Asturisch? Ja, Asturisch. Mus singen auf Asturisch, einer alten iberoromanischen Sprache, die heute nur noch im Nordwesten Spaniens in Asturien und einer kleinen Region am Douro-Fluss in Portugal gesprochen wird. Einzelne Wörter kommen dem Hörer seltsam bekannt vor, wie ein Dialekt des Spanischen mit verwandten Wörtern aus dem Portugiesischen. In dieser Sprache singt Monica Varcas von Dingen, über die wir nicht berichten können – wir sprechen kein Asturisch. Und so kann die Musik völlig frei und unbeeinflusst von den  Äußerungen der Sängerinnen genossen werden, kann man ihre hauchende Stimme eher wie ein zusätzliches, die Gitarre, Flöte, Schlagzeug und Geige verstärkendes Instrument verstehen, das Mus’ Musik vorsichtig mit einem weißen Schleier überzieht und verhüllt. Slowdive anno 1991 kommen einem da in den Sinn, die Shoegazer um Neil Halstead, denen Thomas Morr im Jahre 2002 mit seiner Compilation »Blue Skied an‘ Clear« ein verrauschtes,  synthetisches Denkmal setzte. Mus machen Kammer-Shoegaze, Fran Gayo komponiert die Stücke zu Varcas’ Gesang, das Schwelgerische findet im Privaten statt, die Instrumente werden nur sporadisch elektrisch verstärkt, Hall-, Flanger- und Feedbackeffekte nie eingesetzt. Eine schlafwandlerische Reise ist »La Vida«, das mittlerweile achte Album seit der Gründung der Band vor zehn Jahren.
    Die Französin Keren Ann Zeidel veröffentlicht dieser Tage ihr fünftes Studioalbum und singt im Gegensatz zu Mus dieses Mal nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf Englisch. Das Lokale und Private, das Mus aufgrund der gewählten Singsprache und der zurückhaltenden Instrumentierung ihres Albums vermitteln, ist bei Zeidel nicht zu fi nden: Sie komponierte ihr  selbstbetiteltes Album an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt und zog mit Joe Barresi, der schon bei Tool und QOTSA für den Sound zuständig war, einen Tüftler und Knöpfchendreher zu Rate, der ihre simpel-schönen Stimme-Gitarre/Stimme-Klavier-Arrangements stellenweise ordentlich aufblies. Wir hören nun also einen zwar an Cat Power und Mazzy Star geschulten Kammer-Folk-Pop, der aber trotz seiner Intimität und der nah aufgenommenen Stimme, die zuweilen gar an Velvet Undergrounds Nico erinnert, eine überraschende Breitwandigkeit und Bestimmtheit an den Tag fördert – etwa in den beiden besten Stücken des Albums, »It’s All a Lie« und »It Ain’t No Crime«, die man Keren Ann, wie Zeidel sich als Musikerin schlicht nennt, so nicht zugetraut hätte. Nur im vorletzten Stück des Albums klingt sie wie eine andere Kundin Barresis, wie Alanis Morrissette – was den runden Gesamteindruck ihres neuen Albums aber nur leicht trübt.

LABEL: Green Ufos

VERTRIEB: Hausmusik

VÖ: 11.05.2007

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