Murcof

Murcof ringt Techno ein Pathos ab, das man bisher nur von klassischer Kammermusik oder aus der Autowerbung her kannte. »Martes«, das Debüt-Album des Produzenten aus Tijuana, enthält drei Tracks seiner EP, die auf Context, dem Label des Powerbook-Minimalisten Sutekh erschienen sind. Ein extrem real wirkendes Streichquartett tritt wie aus dem Nichts auf und schmiegt sich an einen smarten, kickenden Clicks & Cuts-Groove. Murcofs Musik wirkt unsymphatisch – so slick, dass jedes Moment der Annäherung abperlt. Trotzdem hat sie nichts ruhendes, weshalb es eben doch nicht Autowerbung sondern Techno ist. »Martes« erinnert an den Soundtrack von Kubricks Barry Lyndons oder Baldamentis »Twin Peaks« oder an Frank Martiniq. Wie jener entwickelt »Martes« aber keinen Suspense, sondern die Monumentalität der Großformatphotographie von Andreas Gursky.

    Ein Panaroma, das unüberschaubar, aber trotzdem in ganz einfache Strukturen auflösbar ist. Aber anders als Gursky geht es Murcorf eben doch darum, die Aktivität nicht im Bild stillzustellen, sondern gerade in diesem statischen System des Erhabenen Ereignisse zu produzieren. In diesen Ensembles eiskalter Schönheit gibt es immer ein Element, das den virtuellen Gebirgssee zum Überlaufen bringt. Mal sind es noisige Elemente, die sich ganz leise in den Track bohren, mal wird das Orchester mit dem Skalpell des Samplers zerhackt oder die gespannten Körper der Geigen und Cellos verschwimmen mit breiten, trancigen Flächen. Musik, deren Platz auf der Karte der elektronischen Musik nicht leicht zu finden ist.

LABEL: Leaf

VERTRIEB: Hausmusik

VÖ: 20.11.2002

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