Mumm-Ra

Nach der Aufsehen erregenden EP »Black Hurts Day And The Night Rolls On«, einer gefeierten Tour im Vorprogramm der Kaiser Chiefs und der mitreißenden Single »Out Of The Question« legen Mumm-Ra aus dem südenglischen Provinznest Bexhill-On-Sea nun endlich ihr Debütalbum vor. Auf »These Things Move In Threes« sind elf Songs vereint, die den Eindruck verstärken, dass es sich bei dem Quintett um die Fleisch gewordenen Fünf Freunde aus der gleichnamigen Jugendbuchreihe und TV-Serie von Enid Blyton handelt. Mit der Ausnahme, dass kein Timmy den Bass zupft oder auf die TomToms und HiHats trommelt. Und dass Tate, Oli, Noo, Niall und Gareth Mitte der Achtziger wohl eher damit beschäftigt waren, auf allen Vieren die Welt zu erkunden und ihre ersten Worte zu brabbeln, als Julian, Dick, Anne, Tomboy George und den besagten Border Collie bei ihren spannenden Abenteuern am Bildschirm zu verfolgen. Nichtsdestotrotz pflegen die Jungspunde von Mumm-Ra einen ausgeprägt verschrobenen Humor, der zu einem großen Teil der verschlafenen Beschaulichkeit ihres Geburtsortes geschuldet sein dürfte. Denn zumindest nach eigenen Angaben weist jener starke Parallelen zur behütet-idyllischen Adoleszenzphase der fünf Protagonisten aus der gleichnamigen Literaturvorlage auf. Niall Richey Buckler, Sänger und Kopf der Band, nennt jedenfalls der Mangel an großstädtischen Vergnügungsmöglichkeiten als Hauptgrund dafür, warum Mumm-Ru letztendlich so klingen, wie sie klingen. Bereits im zarten Alter von 14 Jahren fanden sich vier weitere »naive Teenager« um Niall zusammen, um endlich das in die Tat umzusetzen, was er bereits quasi seit seiner Geburt unbewusst in sich trug: den Wunsch, Musik zu machen, die sich an Männern orientiert, die gut und gerne ihre Großväter sein könnten – die opulent-schwelgerischen Beach Boys und die nicht minder hymnischen Kinks. Was die Elterngeneration angeht, stand die Beta Band am Taufbecken mit ihren exaltierten Pop-Eskapaden. Alles in Allem ziemlich rückwärts gewandt, was wiederum ganz bewusst geschah, denn die fünf stellten schnell fest, dass über die gemeinsame Liebe zur Musik auch die Ablehnung vieler gängiger Jugendkulturen und die damit verbundenen Rituale, Codes und Weltanschauungen sie einte. So galten die Jungs wohl in den Augen ihrer Altersgenossen als Geeks, was beim Hören ihrer Musik auch nicht abwegig erscheint. In einigen Momenten erinnert »These Things Move In Threes« an die jungen Weezer zu Zeiten des »Blue Album«. Spleenig und exzentrisch mit einer – vielleicht auch gänzlich unbeabsichtigten – Form von Understatement, der der oftmals mit der Pubertät verbundene Wille zur offensichtlichen Delinquenz und totalen Provokation abgeht. Zumindest auf den ersten Blick. Nicht umsonst fanden die ersten öffentlichen Auftritte der Band in den örtlichen Pubs, Ruderclubs und Kirchen statt. Obwohl man zu wissen glaubt, dass sich dem wohl in vielen Belangen eher unbedarften All Ages-Publikum die volle Schönheit und elegische Verspieltheit ihrer Musik nicht in Gänze erschlossen haben mag. Und vielleicht war sie dem ein oder anderen damals auch schon nicht ganz geheuer, ohne sagen zu können, wieso überhaupt. Beim Blick in die subtil verstörten Gesichter des Kirchenvorstandes oder Elternbeirates von Bexhill-On-Sea wird Niall Richey Buckley dann wohl zufrieden gedacht haben: »Geeks, I See Life.«

LABEL: Columbia / Red Ink

VERTRIEB: RTD

VÖ: 25.05.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.