Moving Units

Wenn man eins aus den vergangenen Jahren gelernt hat, dann how to be hip in 2000+. Am leichtesten erreichte man dies durch wildes Schleudern von Referenzen. Referenzen in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und noch eines musste stimmen: die Verpackung! Je greller, desto mehr bzw. je retro, desto erfolgreicher. Wieso schreibt man ab hier weiter? Wieso liest man ab hier weiter? Man würde auch 2005 eine der aufregendsten Bands verpassen, die ein unverschämt hohes Hitpotenzial aufzuweisen hat. Es geht um – Hell Yeah! Es geht beispielsweise um »The fuckin‘ best song ever«, jedenfalls wenn man nach Candies-Gitarrist und -Sänger Giulio Calvino ginge. Oder die Betrachtung einer beliebigen Tanzfläche, die sich beim Einsetzen des durchdringenden Basses in »Between Us And Them« stetig bis zum Erbrechen füllt. Da wird sogar der Gesang von Blake Miller beinahe nebensächlich, der sich irgendwo zwischen Julian Casablancas, Steve Bays und dem jungen Jon King eingependelt hat. Und dennoch völlig anders klingt. Man würde außerdem einer Band den Rücken zukehren, die bereits vor »Echoes« die Koordinaten Disco, Post-Punk und New Wave verortet und als Ergebnis treibend-tanzbaren Indie-Pop auf die Agenda gesetzt hat. Die mit einem Vertrag auf Three One G Records Support-Shows bei The Locust spielte und das Grindcore-Publikum in schwitzende, tanzende Jungs und anhimmelnd-mitsingende Frauen teilte. Und deren erste selbstbetitelte EP nach einhelliger Meinung aller Kritiker »das Ding« war. »Dangerous Dreams«, das ist ein Album voller Tanzkultur. Man verzeihe das böse Wort, aber »sexy« trifft die Musik der drei Jungs aus Los Angeles. Eine Sammlung sexuell aufgeladener Songs, die auch bei gern gestellten Forderungen nach Ironie sehr gut ohne diese auskommen. Da sammeln sich musikalische Querverweise Richtung Gang Of Four und Wire genauso selbstverständlich wie zu allen anderen Mitte-80er-Reminiszenzen. Da machen sich die besten Eigenschaften von Plattensammlern und -auflegern bemerkbar. Und das ohne den dauerhaften Einsatz von Synthesizern, der beschränkt sich mit »Anyone« auf lediglich einen Song und macht das Album dankenswerterweise nicht zum nächsten The Faint-Klon. Obwohl sich »Dangerous Dreams« genau dies vermutlich oft anhören muss: die Kopie der Kopie am Ende der Welle. Schade, das greift bei weitem zu kurz. Denn das Trio hat seinen Sound schon Mitte 2001 definiert, wie ihn treibende Post-Punk-Kracher à la »Emancipation«, »Going For Adds« oder »Birds Of Prey« deutlich unterstreichen. Neben unbestritten bombastischen, mitreißenden Hits wie »Between Us And Them« und »Available«. Aber das sei alles dahingestellt. »Dangerous Dreams« ist eine Bombe. Oder einfach ein großer Wurf. Da ist alles Jetzt und Leidenschaft: Das Jetzt die Party – und die Leidenschaft, das sind wir.

LABEL: PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 28.02.2005

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