Mouse On Mars veröffentlichen zweiten Track von „Dimensional People“

Foto: Nicolai Toma

Mouse On Mars sind experimentierfreudig, na klar! Doch ihr neues Album Dimensional People scheint dabei über Synth-Frickeleien und Ambient-Anleihen hinauszugehen: Andi Toma und Jan St. Werner schaffen es auch auf der zweiten Single, eine völlig neue Art Musik zu machen.

Wie hätte Talk Talks Spirit Of Eden wohl geklungen, wenn es im Jahr 1986 schon Dimensional Mixing gegeben hätte? Das legendär aufwändige Projekt, bei dem hunderte Stunden improvisierter Musik am Ende zu 40 der legendärsten Minuten Albumgeschichte zusammengeschnitten wurden, wird von Kritikern oft als Meilenstein des 20. Jahrhunderts gesehen. Auch Dimensional People, das neue Album des Berliner Duos Mouse On Mars, wirkt schon vor Veröffentlichung wie ein ähnliches Mammut. Auch für dieses Projekt wurde laut einer aktuellen Doku massig Material gescheffelt – von Midi-gesteuerten Robotern, talentierten Studiomusikern und renommierten Featuregästen wie zum Beispiel Justin Vernon von Bon Iver, der auf der ersten Single „Dimensional People Part III“ seine Stimme über ferne Bläser und ätherische Synthesizer legt.

 

Wo Talk Talk allerdings versuchten die Wochen und Monate an aufgenommenem Material mithilfe von Free-Jazz-Pathos zusammenzukleistern, heißt der Kleber für Andi Toma und Jan St. Werner Dimensional Mixing. Die Technik baut auf der Räumlichkeit von Schall auf und hat vor allem seit dem Siegeszug von neuen Klangtechnologien wie 4D-Sound an Relevanz gewonnen. Mouse On Mars arbeiten seit jeher mit Aufnahmen, die beim ersten Hören unmöglich zusammenpassen können, plötzlich aber doch ineinandergreifen – Dimensional Mixing scheint da ein passendes Werkzeug zu sein.

Während „Dimensional People Part III“ sehr experimentell und wabernd klang, zeigt die neue Single „Foul Mouth“ nun das poppige Potenzial von Werners und Tomas Ansatz. Einerseits erinnern hier der gechoppte Gesang von Beiruts Zach Condon und Amanda Blanks Kendrick-Kanalisierung an einen fast schon konventionellen Hip-Hop-Hit, allerdings auch nur für knapp 30 Sekunden: Dank Stahlsaitengitarre und sich überschlagenden Synthesizern wandelt sich der Song in Windeseile zu einer Ballade ohne Worte – überdimensional!

 

 

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