Lautes Nachdenken über Identität: SPEX präsentiert Moor Mother zu Gast beim Plattenspieler im Hebbel am Ufer.

Wenn es eine Musik-Reihe gibt, die der allmählichen Verfertigung der Gedanken huldigt, dann ist es Thomas Meineckes Plattenspieler. Seit zehn Jahren zieht das beliebte Club- und Quassel-Format seine Kreise, die Spielregeln sind dieselben geblieben: In jeder Folge ist eine andere Künstlerin oder ein anderer Künstler zu Gast, die im Wechsel mit Meinecke allerhand Lieblingsplatten auflegen. Zwischendurch wird über die Songs gequatscht, aber auch darüber, wie alles mit allem zusammenhängt.  

Die großartige Moor Mother beim nächsten „Plattenspieler“ zu Gast (Foto: Melanie Marsman).

Ende Mai lieferte sich der Gastgeber mit Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen) ein viel beachtetes Referenz-Pingpong, das allein deshalb bemerkenswert war, weil dort zwei Ikonen der Popkultur aufeinandergetroffen sind. Bei der neuesten Folge, wieder im Hau 2, präsentieren Meinecke und die Musikerin und Aktivistin Camae Ayewa aka Moor Mother ihre persönlichen Favoriten. 

Und auch, wenn man beim Plattenspieler nie weiß, was als Nächstes kommt, weil nichts vorher abgesprochen wird, ist ein Themenkomplex dieses Mal naheliegend. Denn das Nachdenken über Identitätskonstrukte und Privilegien treibt beide Künstler_innen um. Meinecke in seinen Büchern wie Selbst und Tomboy und Ayewa in ihren roughen Songs, die Elemente aus Industrial, Noise, Hip-Hop und Punk zu einer afrofuturistischen Perspektive auf die Lebensrealität der US-amerikanischen Black Community formt. So auch im Track „Black Flight“, den sie jüngst und gefeatured von Saul Williams veröffentlicht hat. 

SPEX präsentiert Moor Mother beim Plattenspieler
08.10 Berlin – Hau 2