Monsieur Mo Rio

Anzuzeigen ist Musik, die von nun an überall erklingen sollte, über jede Mauer hinweg, in jedes Gewebe und in jeden Birnenhain hinein, denn wer sie hört, den macht sie glücklich, und zwar sofort, wie Glutamat, mit großem Tamtam. Vierzehn Songs, sehr französisch gesungen, von einem Jungen aus Stuttgart, seine Eltern nannten ihn übrigens aus einer Laune heraus Moritz, der eigentlich gar nicht Französisch kann – ein vielköpfiges Orchester aber, einer hundertköpfigen Hydra gleich, verstärkt seine Darbietungen, lässt sie zu etwas völlig neuem und unerhört wellenförmigem Anderen werden: Ein Album, das klingt, als würden Belle & Sebastian einem sehr altersweisen Brian Wilson auf den Kinderspielplätzen dieser Welt eine neue und ganz außerordentliche Droge verkaufen, die wirkt wie der bessere innere Scherbenkern eines Pastels-Songs. Und das ist noch eher untertrieben. Wer sich in die Reihe von Vorbildern wie etwa Serge Gainsbourg stellt, verblendet sich nicht gegen jedes postepigonale Eindringen, sondern wird Bestandteil des Tatsächlichen. Wer diesen Zusammenhang und das solchermaßen süß gewordene Leben bewältigt, hat mehr erreicht als beispielsweise die Kessler Zwillinge, und sogar die blicken ja auf ein nicht gerade besonders schmales Lebenswerk zurück.

LABEL: SHADO

VERTRIEB: Zomba

VÖ: 01.04.2003

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