Momus

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Der smarte, weirde, Japanophile, postmoderne, bewusst(?) unerfolgreiche, stets etwas entrückt wirkende Momus ist mal wieder da. Wenn auch nur kurz, für zwei Konzerte, um genau zu sein. Momus produziert  »unaufgeregt-abgründige Lo-Fi Popsongs, über die er mit sanfter Stimme beunruhigende Dinge singt.« Was Anne Waak vor zwei Jahren in SPEX N°330 über das Album Hypnoprism schrieb, gilt auch für das kürzlich erschienene Bibliotek (nachfolgend im Videostream) und sowieso für das Œuvre. Denn obwohl Momus ein musikalischer Verwandlungskünstler ist, ein David Bowie im Kleinen, bleibt der Vibe der Songs stets der gleiche. Während der Hörer auf wundersame Art und Weise gleichzeitig Illusion und Desillusion durchlebt, verändert sich die croonend-hingehauchte Stimme – eine Absage an die Stimmwunder der Popästhetik – nur unmerklich bis gar nicht. Ende der 1980er hatte Momus mit »Hairstyle Of The Devil« eine Art Synth-Pophit im kommerziellen Sinne, danach verschwand er wieder von der Bildfläche, um sich über die Jahre durch die Musikgeschichte zu tricksen, sampeln, schlaumeiern und blieb dabei nur einer ausgewählten Anzahl an Menschen, die etwas auf ihren distinguierten Musikgeschmack geben, im Gedächtnis.

   Zwischendurch bloggte er eine zeitlang täglich auf seinem Blog Click Opera über Musik, Kunst und Literatur. Momus erfand sich als cleverer Gegenwarts- und Trendbeobachter neu, Hunderte kommentierten. Wohlgemerkt zu einer Zeit, in der noch nicht jeder, Verzeihung, Depp gebloggt hat. (Mittlerweile bloggt Momus selbst gelegentlich noch hier.)

   Diesen Donnerstag, am 4. Oktober, wird Momus, der eigentlich Nicholas Currie heißt, im Bei Roy, Berlin-Neukölln, sein Bibliotek präsentieren. Wie ironisch, wenn man bedenkt, dass er vor zwei Jahren noch gleich um die Ecke wohnte, und vor allem, wenn man sich dabei seine schlaue Paraphrase in Erinnerung ruft: »In the future everyone will be famous to 15 people.« – ins Bei Roy werden kaum mehr als 15 Menschen passen, stören wird das allerdings keinen. Vor allem nicht Nick Currie, der seine kleine, geschmäcklerische Fangemeinde liebt wie der verrückte Professor seine Erfindung. Den zweiten deutschen Auftritt seiner Europatour wird Currie am 12. 13. Oktober im ähnlich kleinen Wagon, Stuttgart, absolvieren.

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