Mock Orange

Ryan Grisham, Sänger und Gitarrist von Mock Orange, hat eine besondere Stimme. Sie ist, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. Sie hat so eine knallorange Stimmfarbe, vermutlich ist sie leicht gedoppelt. Oder aber sie klingt eben so. Brian Molkos Stimme klingt in echt, in normalen Gesprächssituationen, wohl auch wie die, mit der er singt, so erstaunlich das ist: man vermutet Künstlichkeit und bekommt Natürlichkeit. Aber hört selbst: Entfernt und kombiniert mit der Musik erinnert die Stimme Grishams ein wenig an den Sänger von The Minus 5, Scott McCaughey.

    »I’ll be coming back on Christmas«, singt Grisham im Eröffnungsstück. Das heißt wie das ganze Album, nämlich »Captain Love«. Eigentlich eine schöne Zeile, allerdings handelt es sich um ein Lied, das von einem zuversichtlich gestimmten Soldaten erzählt: Ich werde eingezogen, ich muss das jetzt machen, ich bin Weihnachten aber – so alles gut geht – wieder da. Tragisch und schön. Die restlichen Songs mäandern ein wenig im zwischenmenschlichen Nichts herum, auch musikalisch reißt nichts aus. Mock Orange machen leicht biederen, soliden Indierock, der aber immerhin mal etwas von Polvo gehört hat. Polvo, richtig! Die mit den unendlich verbogenen, schiefen Gitarren! Was machen die eigentlich? Hätte, betrachtet man die Mini-LP »Celebrate The New Dark Age« von 1994, mal eine richtig große Band werden können. Irgendwas kam dazwischen. In diesem Jahr sollen sich Polvo wiedervereint haben, stand zu lesen.

    Aber zurück zu Mock Orange. »I used to be a little bit brighter in the morning until I got older«, heißt es in »World Of Machines«, auch dies stellt eine nette Zeile dar. Das letzte Stück der Platte heißt »Old Movies«, ein wenig sentimental kann man also schon werden beim Hören dieser Platte. Es ist guter, alter Indierock. Leider einer der unerheblichen Sorte. Dafür mit besonderer Stimme.

LABEL: MICHAEL SCHEWETZKY

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 26.09.2008

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