Ein Ausflug ins Märchenland gefällig? In jenes von Gunnar, Örvar, Kristín und Gyoa etwa, in welchem die Wahrheit solange Haken schlägt, bis sie als sanftes, digitales Band durch die Landschaft flackert? Oder lieber nach Pluxemburg, dorthin, wo eine simulierte Realität von Plattform zu Plattform hüpft, Sterntaler köpft und farbigen Bällen ausweicht, als gäbe es im Leben außer Punkten nichts zu gewinnen? Zwei Orte, die bei allen offensichtlichen Unterschieden doch so einiges gemeinsam haben: so filigran und verträumt der eine, so bunt und unbeschwert der andere, so sehr scheinen sie doch beide nicht von dieser Welt. Zu leichtfüßig inszeniert dafür, unschuldig und voller Wärme, komplexe Gebilde, fußend auf Ideen, Melodien, von geradezu infantiler Simplizität.

    Während Múm aus Island auch auf ihrem zweiten Album wieder wundervolle organische Landschaften im Zusammenspiel von analogen und digitalen Klängen erschaffen, mittels des cleveren Mixes vielschichtiger elektronischer Strukturen und einer Vielzahl »echter« Instrumente Songs entwerfen, die so fragil erscheinen wie Sandburgen, so flüchtig wie der Gesang, der gelegentlich über sie hinweg weht, haben die Schweden Pluxus mit »European Onion« – ebenfalls ihr zweiter Longplayer – ein musikalisches Paralleluniversum zur pixeligen Wunderwelt quietschbunter Uralt-Jump-And-Run-Spiele kreiert.

    Auch hier rührt die Innigkeit, die den Stücken innewohnt, nicht zuletzt aus der Verwendung analoger Instrumente, allerdings insgesamt sieben analogen Keyboards und Synthesizern. Pluxus Tracks haben wenig gemein mit minimalistischen C-64-Retro-Soundspielereien, bei aller krautigen Niedlichkeit und Verspieltheit sind es im Kern vielmehr instrumentale Popsongs. Die Melodien sind es, die berühren und verzaubern. Melodien, wie aus Kinderliedern oder Abzählreimen. Auch das, eine Paralelle zu Múm, die ihre kleinen, elementaren Wohlklänge einbetten in dichte, atmosphärische Wellen molliger Sounds und verwickelter Beats. Beiden Alben gelingt so etwas sehr seltenes: zwischen der Musik und ihrem Besucher wird eine Intimität aufgebaut, die ihm das Gefühl gibt, sich an einem Ort zu befinden, der ganz allein für ihn erschaffen wurde.

LABEL: Fat Cat / Rocket Girl

VERTRIEB: Hausmusik / Indigo / Zomba

VÖ: 26.07.2004