Mit Berliner Initiativen gegen Rassismus: „Act Together Now!“ im HAU

Fremdenhass ist weiterhin allgegenwärtig, die NSU-Morde längst nicht aufgeklärt: Im Jahr 2017 ist es wichtiger denn je, sich theoretisch und praktisch mit Rassismus und seinen Ausprägungen zu beschäftigen. Aber wie? Das Berliner Hebbel am Ufer sucht im Rahmen von „Act Together Now!“ mithilfe vierer antirassistischer Initiativen Antworten. Musikalisch untermalt von Pisse und Chris Imler.

Wie spricht man 2017 über Rassismus? Keine leichte Aufgabe, klar. Mit Pisse zu sprechen kann trotzdem nicht schaden. Die Band kommt aus der sächsischen Kreisstadt Hoyerswerda, die im September 1991 nach rassistischen Ausschreitungen zum Synonym eines bis dahin größtenteils wohlwollend ignorierten Naziproblems in Deutschland wurde. Es ist so, wie du es dir vorstellst«, sagte ein Vertreter der Band in SPEX No. 363 (weiterhin versandkostenfrei in unserem Shop erhältlich) über Hoyerswerda. Dabei seien sie selbst als Punks nie wirklich Zielscheibe gewesen: „Du müsstest eigentlich jemanden fragen, der sich von der weißen Mehrheitsgesellschaft dort abhebt – ich bin relativ gut gefahren.“

Probleme gab es natürlich trotzdem: Etwa den in vielen Orten schon obligatorischen Fascho, der auf dem Schulhof das Pausenbrot aus den den anderen Kindern herausprügelt. Als Lieferant für Lösungen sehen sich Pisse jedoch nicht: „Das haben Punks noch nie gut gemacht. Auf Parolen haben wir auch keinen Bock“, sagte der Bandgesandte. „In der Kunst arbeitest du aber mit Verkürzungen. Die Leute fressen es dann, weil das Gefühl einer gemeinsamen Ebene da ist.“ Im Grunde wollen Pisse mit ihrer patchworkartigen Verwendung von Samples, die wie ein besseres Lexikon für Achtziger-Punk klingen, nur abbilden.

Es dürfte der Band also recht sein, dass sie bei „Act Together Now!“ zusammen mit dem Berliner Rundumkünstler Chris Imler lediglich die musikalische Untermalung zur Diskussion liefert. Vor dem Hintergrund des weiterhin grassierenden Rassismus und der gravierenden Fehler rund um die Aufklärung der Mordserie des rechtsextremen NSU sucht das Berliner Hebbel am Ufer nämlich nach Antworten auf die Frage, wie man den großen Scheißhaufen im Jahr 2017 anpacken soll.

Die Initiativen „System NSU-AG der Interventionistischen Linken“, „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş“, „Lager Mobilisation Netzwerk Berlin“ und das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ werden in kurzen Beiträgen und unter Moderation von SPEX-Kolumnist Marcus Staiger vor allem die Rolle des Staates und der Geheimdienste bei den NSU-Morden zur Sprache bringen, die der mittlerweile vierjährige Prozess in München bis dato kaum erhellen konnte. Gemeinsamer Tenor: Eine Lückenlose Aufklärung der Verbrechen ist bitter nötig – und struktureller Rassismus nach wie vor das Letzte.

Act Together Now!
02.05. Berlin – Hebbel am Ufer
Tickets und weitere Informationen gibt’s hier.

 

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