ILLUSTRATION: Cecilia Bozzoli

Was wurde aus dem »revolutionären Bewusstsein«? Nach seinen mit Pussy Riot inszenierten Moskauer Prozessen veröffentlicht Milo Rau nun den Essay Was tun?. Heute Abend gibt es ein Gespräch mit ihm in Köln.

Nachdem er mit seinen Reenactments Die letzten Tage der Ceausescus und Hate Radio, letzteres anhand des zwischen 1993 und ’94 zum ruandischen Völkermord anstachelnden Radio-Télévision Libre des Mille Collines, bekannt wurde und zuletzt Breiviks Erklärung zu einem Theaterstück machte, hat sich der Schweizer Theater-Regisseur und Autor zuletzt vor allem mit den russischen »Verhältnissen« beschäftigt. In Moskau inszenierte er im März eine dreitägige Gerichtsshow, in der »Kunst« und »Religion« aufeinandertrafen, um den unter Putin entfesselten Kulturkampf juristisch zu klären. Auslöser war der reale Prozess gegen die Performance- und Aktivistengruppe Pussy Riot, die sich ebenfalls an der Show beteiligte. Nachdem die russische Ausländerbehörde schon damals die Veranstaltungen wegen Verdachts auf ein Visumvergehen unterbrochen hatte, verweigerte man Rau im September sogar komplett die Einreise. Jetzt erschien zudem sein leninistischer Essay mit dem Zusatz »Kritik der postmodernen Vernunft«. Genug Gesprächsstoff sollte also vorhanden sein.

Die Veranstaltung findet unter dem Titel »Das Spiel mit der Wirklichkeit – reale Geschehnisse auf der Bühne« in der Reihe »FREITAG am Donnerstag« statt, in der zuletzt u.a. auch Tom Kummer zu Gast war. Veranstaltungsort ist der FREITAG Store, Friesenwall 24, Köln – eine Umgebung, die angesichts Raus aktueller Zeilen sicherlich auch für Fragen sorgen dürfte. Gesprächsbeginn ist 18.30 Uhr. Um Anmeldung wird gebeten.