Mile Me Deaf „HDD Backup“ / Review

Cover: Mile Me Deaf „HDD Backup“

Einiges an Stoff bietet HDD Backup von Mile Me Deaf, das neue, 28 Songs schwere Album der Wiener Indieband. Denn auf dem blicken sie zurück auf ihr vierzehnjähriges Bestehen und ihr musikalisches Erwachsenwerden, ohne sich dafür zu stolz zu sein, auch die eher schiefen Töne aufzunehmen. Was vielmehr eine Collage als eine homogene Liedauswahl entstehen lässt, die gerade wegen ihres Mixtape-Moments so unterhaltsam ist.

Wolfgang Möstl hat aufgeräumt! Jedenfalls die Festplatte seines Projekts Mile Me Deaf, das er aktuell komplett allein betreut und bespielt. Herausgekommen ist dabei HDD Backup, das irgendwo zwischen Album und Notfallsicherung des Lebenslaufs seine Bestimmung gefunden hat – und satte 28 Songs umfasst. Wo soll das hinführen soll? Schwer in Worte zu fassen. Schließlich wird Mile Me Deaf oft als österreichisches Pendant zu Tame Impala betitelt, Wolfgang (Möstl) als Kevin (Parker) und man stelle sich nur einmal vor, dieser würde ein derart opulentes Zwischenfazit seiner bisherigen Karriere ziehen. HDD Backup ist Möstl’scher Eklektizismus in Bestform. Stellenweise klingt das radio ready, dann wieder brutalistisch und schrammelig, nur um im nächsten Moment zurückgelehnt zwischen Lo-Fi-Indie und Psychedelic-Rock zu mäandern. Drum Machines dürfen den Sound um absolut hallfreie Rhythmen erweitern, die nach DIY-Zeitgeist klingen. Verzerrungen schaffen das Gegenteil.

Bewerbung ohne Nonsens-Fakten und soft skills.

HDD Backup klingt besonders in seiner Struktur mehr nach unfertigem Entwurf als Möstls bisherige Alben. Das liegt daran, dass Tracks aus unterschiedlichen kreativen Phasen direkt aufeinander folgen. Ein konzeptioneller Leitfaden ist angesichts dessen kaum möglich, stattdessen ist HDD Backup ein curriculum vitae auf Albumlänge, eine Art Bewerbung ohne Nonsens-Fakten und soft skills. Trotzdem liefert Möstl konstant ab und liefert einen betörenden Einblick in seine eigene Entwicklung, der gleichzeitig Einstieg in den Mile-Me-Deaf-Kosmos und Liebhaberstück sein kann. Fazit? Sogar die Resterampe von Mile Me Deaf klingt besser als die Aushängeschilder der meisten anderen Bands.

Diese Albumkritik wird auch in SPEX No. 383 erscheinen. Das Heft ist ab dem 25. Oktober versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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