Migos „Culture II“ / Review

Laut Migos ist Culture II noch gewichtiger als sein Vorgänger. Das trifft mit Blick auf die Maße des Albums zu, nicht aber für den Inhalt – die Tracks stolzieren allzu selbstbewusst Richtung Hip-Hop-Pomp und gelacktem R’n’B.

Migos haben es also geschafft. In den letzten fünf Jahren konnte man das Super-Trio dabei beobachten, wie es mit Tracks wie „Versace“ oder „Bad And Boujee“ Richtung Hip-Hop-Olymp geklettert ist. Mit einer Grammy-Auszeichnung für das beste Rap-Album 2017 kamen sie endgültig dort an. Quavo, Offset und Takeoff sind in Atlanta groß geworden, der Hauptstadt des Trap. Als Migos haben sie das Genre maßgeblich weiterentwickelt, gelten neben Gucci Mane und Future schon lange als prominentester Südstaaten-Export. Es gibt Menschen, die sie für die einflussreichste Band unserer Zeit halten. Verständlich, dass alle Augen auf sie gerichtet sind, wenn nun das neue Album erscheint.

Zumindest im Feiern der eigenen Geilheit bleiben Migos die Besten.

Migos haben in den letzten Monaten fleißig getwittert, dass Culture II noch gewichtiger sei als sein Vorgänger. Das trifft mit Blick auf die Maße des Albums zu, nicht aber für den Inhalt. Mit 24 Tracks bringt es die Platte auf eine größenwahnsinnige Spielzeit von 106 Minuten. Man fühlt sich jedoch erdrückt von einer Vielzahl unausgereifter Stücke, die das Album verwässern. Mit Nicki Minaj, Gucci Mane, Drake und Cardi B als Gästen sowie Kanye West, Pharrell Williams und Zaytoven als Koproduzenten sind die ganz großen Namen des Business an Culture II beteiligt. Hatten Migos die Gratwanderung zwischen Mainstream-Ausverkauf und eigenständiger Stimme bis jetzt gut hinbekommen, zeigt sich hier, wie schwierig das mit „still be real and famous“ sein kann. Der düstere Unterton und die rotzige Haltung, die früheren Migos-Alben credibility verliehen hatten, weichen charakterlosem Hi-Fi-Glamour.

Das Ergebnis klingt nach einer hochpolierten Form von Trap-Pop. Allzu selbstbewusst stolzieren die Tracks Richtung Hip-Hop-Pomp und gelacktem R’n’B, verlieren dabei ihren rohen, unmittelbaren Vibe, wirken an vielen Stellen überstilisiert und nicht auf den Punkt gebracht. Melodramatisches Saxofon und extremes Auto-Tuning sind einfach eine zu harte Mischung. Davon abgesehen weist Culture II alle Migos-typischen Merkmale auf: den virtuosen Triplet-Flow, eine staccato-artige, synkopierte Form der Phrasierung, die melodischen Hooklines, das hohe Trap-Drilling der Hi-Hats und die Ad-Libs in Form der typischen „Skrrt“-, „Brrt“- und „Whoo“-Zwischenrufe. Auch die Themen haben sich nicht verändert: Drogen, schnelle Autos, Designer-Marken, viel Bling-Bling, bad bitches und young rich niggas. Zumindest im Feiern der eigenen Geilheit bleiben Migos die Besten.

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