Micachu & The Shapes »Good Sad Happy Bad« / Review

Die Parole lautet: draufdreschen und Ideen durch die Gegend spritzen lassen. Die Ausbeute ist mager.

Der heimliche Audiomitschnitt ist in diesen Zeiten ein heißes Eisen von politischer Brisanz. Während jemand wie Matthew Herbert darin auch umstürzlerisches Potenzial erkennt, verhalf er Micachu & The Shapes zu neuen kreativen Möglichkeiten. Hätte Marc Pell, Drummer des von Mica Levi angeführten Trios, nicht einen Monster-Jam im Proberaum unbemerkt aufgenommen, würde das neue Micachu-Album wohl nicht nur anders klingen, es würde eventuell gar nicht existieren.

So aber wurde aus Pells heimlichem Audiomitschnitt ein schmiedbares Eisen von kreativer Potenz: Einzelne Parts wurden extrahiert, neu arrangiert, mit Levis näselnden Vocals aufgepeppt und schließlich zu einem Album zusammengeleimt. So weit, so langweilig liest sich die Geschichte einer Band, die eines Tages Improvisation als retroaktiv verwertbare Kompositionstechnik (wieder)entdeckt. Und nun? Nun klingt Good Sad Happy Bad wie ein schepperndes Stück Piñata-Pop. Die Parole lautet: draufdreschen und Ideen durch die Gegend spritzen lassen. Die Ausbeute ist mager.

In Sachen Sounddesign unterscheidet sich das zunächst nicht sonderlich von Mica Levis unvergleichlichem Soundtrack für den Film Under The Skin, der die spröde Außerweltlichkeit ihrer Drones mit eindringlicher Präzision einsetzte, aber schon deutlicher von den Quietschbuntklängen vorangegangener Micachu-Alben. Wie der Titel bereits andeutet, sind die 13 Songs auf Good Sad Happy Bad vieles zugleich und damit herzlich wenig: Sie zeigen sich wenig ausdrucksbetont, lassen nicht viele Emotionen oder Affekte zu und bieten kaum Angriffsfläche. Sie ecken nicht an, kanten nicht ab und faden meist aus, obwohl sie in medias res angefangen haben. Sie sind genau das, was sie sind: eine nachträglich portionierte Impro-Session derjenigen Sorte von Kiffer-Jam, nach dem vor lauter Selbstzweifeln entweder das Zeug in die Tonne gekloppt oder die nächste Tüte angesteckt wird. Micachu & The Shapes haben jedoch, vielleicht sogar unbekifft, ein Album daraus gemacht. Leider klingt es weder potent noch brisant.

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