Method Man

Einen guten Teil der vergangenen acht Jahre verbrachte Johnny Blaze aka Johnny Storm aka Ticallion Stallion aka Hot Nikkels aka Method Man in Filmstudios. Was seinen schauspielerischen Wert in Hollywood anging, pflegte er keine Illusionen. Den Angeboten für stereotype schwarze Gangstertypen sagte er gut und gerne zu, denn seine realistische Rechnung lautet: Je mehr 5 Millionen-Deals es zu machen gibt, desto besser ist für die Kinder gesorgt. Schließlich ist auf das Haus Wu-Tang als automatisierter Goldesel kein Verlass. Zu viel Zeit geht ins Land, bis die Familie sich mal vollzählig im Studio einfindet. Jetzt heißt es: zurück auf Los. Prequel statt Sequel. Und während RZA im zungenfertigen Intro den Clan beschwört, Method Man anteast und sich selber auf Höhe tuned, erinnern wir uns: an Clifford Smiths (vermeintlich) tiefste, kratzigste, kehlig bellende Stimme, die, aller under-the-influence zum Trotz, nie träge an den Worten klebte. Auch im Jahr sechs nach »Judgement Day« hustet er sich, ganz Kiffer-vor-dem-Herren, munter ins Neuwerk. Alle Identität ist gewahrt: Die gleichen, gut psychedelisch schlingernden Melodieschlaufen im Hintergrund, reicher Synthie-Streicher Einsatz (electrify!), dreck´sche Elektronika, auf den Punkt findige Samples, der potente Flow – nachlässig lässig, manchmal bratzig, dummdreiste Reime zwischen schlüpfriger Schlüpfer-Fixation »suck a dick up till you hick up« und leichtem Größenwahn (wenn er die Mädels singen lässt: gimme one reason to stop teasin / I know you got good sex for me / tell me what comes next for me). Und anno 2004 ist für unnervige West Coast- und G-Funk-Reminiszenzen gesorgt. Die erste Single »What´s Happening« kann! Rückgriff auf den ersten Erfolg »I Bring The Pain«, Busta und Meth-»viiiibin´«, ein Video, das Mr. Meth in altgedienter Montur zeigt: Glasauge und Goldverkronung, some kind of wonderful! Deutlicher ist, dass bei all den »Ich weiß, wo ich herkomme«-Credibilitäts-Bemühungen nicht mit der marktnahen, oder auch: kommerziellen Produktion hinterm Berg gehalten wird. Kevin Liles (Bad Boy Entertainment) sorgt, als Produzent, für Highend-Politur, Missy Elliott, P.Diddy und Ludacris für tagesaktuelle Gast-Starbesetzung. Doch »Wohlstands-HipHop« hin oder her – The Prequel hält sich bei einer Spielzeit von knapp sechzig Minuten durchgängig auf hohem Niveau. Blässliche Indie-Chicser zwischen The Strokes und Zoot Woman schaffen schon bei der zweiten Veröffentlichung kaum die 35 Minuten-Marke. Aber bevor ich damit eine peinliche Wettrechnen-Debatte um Qualität und Quantität beginne und am Ende Mr. Methodenmann und seiner kruden, im Platteninfo in die Welt posaunten Theorie von »der Längste ist der Beste« das Wort rede, ist hier Schluss. Und gut.

LABEL: Def Jam

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 17.05.2004

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