Metallica „Hardwired … To Self-Destruct“ / Review

Betrug! Leider klingt das neue Metallica-Album nicht mehr so eklig wie St. Anger von 2003. Es ist produziert wie ein gut produziertes Rock-Demotape.

Das Schönste am Pop ist ja spätestens seit den Achtzigern oft nicht das Gute, sondern das Scheußliche. Besorgte Eltern hatten zwar bereits in den Fünfzigern, Sechzigern und Siebzigern die elektrisch verstärkte Beat-Musik als metallisch und eklig empfunden. Doch für den in den Achtzigern heranwachsenden jungen Pophörer klangen diese tonbandsaturierten Dekaden im Vergleich zu den Klanggräueln, die nun durch frühdigitale Aufnahmetechniken entstanden, geschmackvoll und warm. In den Achtzigern lernte man also erst recht das Trash-Goutieren, die wichtigste Fähigkeit des geübten Pophörers überhaupt.

Unter diesem Gesichtspunkt gab es schon immer viel an der elektrisch verstärkten Beat-Combo Metallica gut zu finden, denn die schmeißt seit ihren Anfängen 1981 epische Mengen Scheußlichkeit auf den Markt, in der Regel durch zwei ganz besonders scheußliche Eckpunkte gerahmt: Sänger James Hetfields schauriges Redneck-in-der-anger-management-Selbsthilfegruppe-Gebrüll einerseits (Trump-Wähler-Gesang!) und Lars Ulrichs eindrucksvoll widerwärtig gemischte Kick-Drum andererseits, ein vulgär und mittig pflatschendes Fuck-You an jeden Kick-Drum-Sound-Fetischisten. Dazwischen immer das gleiche Gitarrenriff bzw. -solo, und den Bass hört man sowieso nie so richtig.

Trump-Wähler-Gesang!

Besonders zufriedenstellend eklig klang diese Kombination etwa auf dem klinisch gemischten Master Of Puppets von 1986 – ein Meilenstein meiner Jugend – oder auf dreckigere Weise auf dem großartigen, da durch einen der besten, verwirrtesten Rock-Dokumentarfilme begleiteten, St. Anger von 2003. Leider klingt das neue Album nicht mehr so eklig. Betrug! Es ist produziert wie ein gut produziertes Rock-Demotape. Der Gesang etwas gezähmter, die Kick hat jetzt Wärme. Dazu wieder das gleiche Gitarrenriff bzw -solo, und der Bass, den man nicht richtig hört. Mal langsamer, mal schneller! Die Liedtexte handeln davon, dass wir keine Chance haben, sondern unser Untergang in unserem Wesen vorprogrammiert ist. Kann ja gut sein – und durch die Dekaden hat eine ganze Menge der besten Popmusik dieser Message Dringlichkeit verliehen. Aber mit so einem sauberen Rock-Preset-Sound bleibt die Dringlichkeit auf der Strecke. Ein Lied, „Man UNkind“, hat immerhin ein ganz interessantes Zupf-Intro, bei dem man den Bass mal hören kann. Aber das ist dann wieder zu geschmackvoll, was zwar immer noch besser ist als der musikalisch geschmacklose Rest, aber nur, weil der eben zu hübsch produziert ist. Sonst, mit dem tradierten Ekelklang, wäre schlechter besser.

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