Merchandise After The End

Die Gemischtwarenhändler von Merchandise vertreiben auf After The End UK-inspirierte Melancholie, die vor 30 Jahren vielleicht frischer geklungen hätte, aber immer noch eine solide Mahlzeit abwirft.  

Merchandise, schöner Name. Schließlich ist Musik auch irgendwie Merchandise, nicht nur die T-Shirts, Buttons, Taschen, Tassen und all das andere Zeug, das man sonst noch auf Konzerten geneigter Bands erstehen kann. Merchandise, um im Bild zu bleiben, ist ein Laden, dessen Sortiment sich im Laufe des Bestehens stetig gewandelt hat. Die Band aus Tampa, Florida, begann 2008 mit Hardcore-Punk, nahm jedoch schon wenig später pasteurisierten Indie-Pop der Marke Strangeways, Here We Come in ihr Angebot auf – »Stop Me If You Think You’ve Heard This One Before«. Das tat offensichtlich niemand, und so kehren Merchandise im Jahr 2014 als spezialisierte Gemischtwarenhändler zurück auf den Markt. Auf After The End widmet sich das Trio nun vornehmlich dem Import-Export-Geschäft mit Sounds von der britischen Insel aus den Achtzigerjahren. Klar, das Haltbarkeitsdatum ist längst abgelaufen, aber das kann man schon noch essen.

Echo & The Bunnymen, Aztec Camera, The Chameleons, Talk Talk, U2 nach War, ein Scheibchen Duran Duran – die Liste ist lang, und ja, man hört sie tatsächlich alle auf After The End. Nun sollte die Besinnung auf die Ahnen einer bestimmten Musikrichtung dieser Tage allerdings längst nicht mehr als Ausschlusskriterium gelten, gemacht wurde ohnehin schon alles irgendwann einmal. Ein Rad ist ein Rad, es funktioniert, es braucht nicht zwingend neue Formen. Und Merchandise machen ihre Sache gut. Das Pathos wirkt echt, Sänger Carson Cox’ Bariton schwebt beschwörend über effektschwangeren Gitarrenwänden, die so unablässig auf den Hörer einwirken, wie der Nieselregen in Liverpool. Die erste Single »Little Killer« hätte – ebenso wie »True Monument« – 1985 auf Sire Records erscheinen können. Heute wären sie Klassiker des Genres. Man kann der Band auch nicht vorwerfen, auf Mimese zur Verkaufssteigerung aus zu sein. Der Name Merchandise ist natürlich ironisch zu verstehen, ist die Gruppe doch, aufgrund zahlreicher Kehrtwenden, aber auch einiger geradliniger Karriereentscheidungen, bekannt dafür, gerne mit Nachdruck in die Hand zu beißen, die sie füttert.

Aber Florida? Wie bitte kann diese vom Regen verwaschene Musik aus einem der sonnigsten Flecken der Vereinigten Staaten stammen? Sind es die vielen Rentner, die gated communities, die diese vertonte Melancholie hervorbringen? Freilich kann man in einer vollständig vernetzten Realität Musik schon lange nicht mehr unfallfrei mit ihrem Herkunftsort in Einklang bringen. Es wirkt dennoch etwas befremdlich, sich Merchandise vorzustellen, wie sie in Badelatschen mit dem Cabriolet den palmengesäumten Bayshore Boulevard entlang fahren, um anschließend im Proberaum klassische Trenchcoat-Musik zu spielen. Melancholie findet jedoch am Ende in der Seele statt, egal wie oft die Sonne scheint. After The End hätte vor 30 Jahren sicher frischer geschmeckt, es ist aber auch heute noch eine solide Mahlzeit. Wir nehmen ein halbes Pfund, bitte.

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